8. Dezember

Tatsächlich fanden sich einige Dorfbewohner, an denen Gabriel alle Schaufeln und Schneeschieber verkaufen konnte, die sich dazu bereit erklärten, den Weg nach Hogwarts frei zu buddeln. Nach all den Kalkulationen und Bilanzrechnungen (Anmerkungen: Der Autor wirft mit seltsamen Begriffen um sich und hat keine Ahnung, ob die wirklich in den Kontext passen.) hatten sie herausgefunden, dass alleine das Ausbleiben der Schüler seit Freitagabend unglaubliche Einbußen bedeuteten. Denn die Schüler hatten immer mehr konsumiert, als sie geschafft hatten kaputt zu machen. Und diese vier Wochenenden, an denen die Hogwartsbewohner ins Dorf kamen, waren immer die Umsatzstärksten gewesen. Das durfte nicht so einfach enden! Also entschloss man sich dazu, kräftig zu schaufeln, oder den Schnee sonst wie zu entfernen. Sogar die Maronihändler stellten ihre Miniaturdrachen zur Verfügung, um Schneisen zu brennen. Da die feuerspeienden Wesen allerdings so klein waren, machte es das Kraut auch nicht sonderlich fett, aber sie schafften es schon bald, das Eisentor am Fuße der Ländereien zumindest öffnen zu können. Das war zumindest einmal ein Anfang und man musste sich über die kleinen Dinge im Leben freuen.

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Auch wenn Dutton und Dumbledore angedroht hatten, dass niemand aufgrund des Ungehorsams der ersten Tage ins Dorf dürfte, versuchten die Schüler dennoch, irgendwie die Schneewand zu durchbrechen, die sie davon abhielt, nach draußen zu kommen. Langsam bekamen sie alle schon einen Lagerkoller.

Aus diesem Grund war es wohl auch kein Wunder, dass sie versuchten, sogar etwas aus Dutton herauszubekommen, den sie immer noch in einem Kerker festhielten. Doch als sie in dem abgelegenen Verließ ankamen, war es verlassen. Der Muggelkundeprofessor schien entkommen, mitsamt seinem Stuhl. Dabei hatten sie doch vorgehabt herauszufinden, was er mit Dumbledore gemacht hatte. Vielleicht hätten sie ihn nicht einfach ein paar Tage alleine hier unten lassen sollen, und zumindest eine Wache bereit stellen. Wer hätte auch daran gedacht, dass ein gefesselter alter Mann verschwinden könnte?

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Während ein paar Schüler sich dazu aufmachten, herauszufinden wohin der alte Sack verschwunden war, blieben zurück beim Eingangstor, um weiter zu versuchen, dem Schnee Herr zu werden. Wegschaufeln war hier ja nicht sehr optimal, immerhin wäre dann bald das Schloss voll mit dem kalten Nass und das wollte wirklich niemand. Dennoch hatte Filch schon einen Lappen und ein Putzeimerchen bei sich, während er in der Ecke stand und misstrauisch, aber abwartend zuguckte. Auch die anderen Lehrer hatten sich versammelt, um die Schüler zu beobachten und gleich zu maßregeln, falls der jüngere der Havisham wieder versuchte die Hose runter zu lassen und den Schnee anzupinkeln. Vor allem da das Kingsley-Mädchen ständig am Schnee leckte, war das alles andere als förderlich, wenn der Schnee plötzlich gelb gefärbt werden würde.

Natürlich waren es wieder die Ravenclaws, die mit einer großen Explosion aufwarteten. Allerdings ohne Erfolg, obwohl sehr viel Schnee spritzte und die Druckwelle dafür sorgten, dass die Schüler bis vor die Füße der im Abseits stehenden Lehrer geschubst wurden. „Schade, dass John das nicht sehen kann. Der würd sich sicher totlachen“, seufzte Professor Eriksen und dachte wehmütig an seinen verschwundenen Freund.

Am liebsten hätte Josh nun auch einen blöden Spruch über seinen Kollegen gebracht, oder über seine seltendämlichen Schüler, doch just in diesem Moment erspähte er Nightowl, Winchester und Skelton, die einen großen schweren Kessel schleppten, der gefährlich brodelte. „Oh nein … wir sollten in Deckung gehen!“, verkündete er und duckte sich schon hinter die Treppe. „Pff, ich will die Show nicht verpassen!“, meinte Blackford, der allerdings von Frost hinter eine Statue gezogen wurde, „och menno.“ Dabei hatte er ihnen, als einer von drei Zaubertränkeprofessoren, doch solche witzigen Tränke beigebracht.

Ein gewaltiger Rumms erschütterte das Schloss, sodass Staub von der Decke rieselte, während sich eine seltsame grüne Rauchwolke in der großen Halle verteilte. „Oh nein“, murmelte jemand, ehe alle umfielen wie die Fliegen, auch jene, die in Deckung gegangen waren.

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Im Dorf kam man auch nicht weiter, und seit es dunkel geworden war, hatten auch einige die Lust verloren, und waren nach Hause verschwunden. Die Rettungsmission musste vertagt werden. Die Schneemauer war zu dicht, sodass man sie kaum durchdringen konnte. Manche behaupteten sogar, sie wäre gewiss magisch heraufbeschworen, da man das Gefühl hatte, dass sie sofort nachwuchs, wenn man an einer Stelle etwas weggenommen hatte.

Verzweifelt versuchte Bruce immer weiter zu graben, hieb mit seiner Schaufel immer wieder an dieselbe Stelle, doch nichts schien zu geschehen. „Das hat keinen Sinn mehr für heute, lass uns noch einen Glühwein im Pub trinken, um uns aufzuwärmen, und dann ab ins Bett. Wir brauchen ruhe!“, schlug Gabriel vor und musste den Donovan von der Schneewand wegziehen. Es nützte nichts, wenn sie sich verausgabten, damit konnten sie niemanden helfen.

Auf halbem Wege ins Dorf willigte Bruce also ein, und ließ sich nicht mehr einfach hinten nachziehen. Madame Rosmerta hatte ihnen beiden schon eine dampfende Tasse bereit gestellt, als sie den Besen betraten.

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Einsam und verlassen, getaucht in Dunkelheit, lag die Eiswand also nun da. All die Arbeit, die bereits geschafft wurde, verschwand in dem Hauch eines Augenblicks. Es sah fast so aus, als hätte nie jemand versucht, den Schnee zu durchdringen, würden davor nicht so viele Fußspuren den Boden bedenken und die Schaufeln an die Mauern angelehnt stehen, die zurückgelassen wurden, auf morgen wartend, wo man weiter machen wollte.

Eine dunkle Gestalt trat zwischen den Bäumen hervor, die den Weg zum Dorf umgaben und blieb vor dem Eisentor stehen, dass sie kurz darauf quietschend schloss und wieder von Eis und Schnee eingehüllt wurde. Niemand sollte es schaffen, die Mauer zu durchdringen, weder von hier aus noch vom Schloss aus. Dafür hatte er schon gesorgt. Es würde sonst alle Pläne zunichte machen und vielleicht einige Tatsachen enthüllen, die jetzt noch nicht aufgedeckt werden sollten. Der Fremde wollte der einzige bleiben, der das Geheimnis dieses Ortes und des Geschehens kannte. Nur er und niemand sonst.

Zufrieden wandte er sich ab und schlenderte ins Dorf zurück, wo er an dem Drei Besen vorbeischritt, in dem sich all jene versammelt hatten, die bis vor kurzem noch versucht hatten, die Wand zu durchdringen. Er kehrte jedoch nicht bei ihnen ein, sondern ging weiter zum anderen Pub des Dorfes, das verlassen schien. Hier fühlte er sich willkommener, in der vollkommenen Einsamkeit.

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