5. Dezember

Auch wenn es ihnen gelungen war, Dutton dingfest zu machen, so war es ihnen nicht gelungen Dumbledore einzusacken. Der alte Mann war nämlich gar nicht in seinem Büro gewesen, auch wenn die Wasserspeier Smith vorbei gelassen hatten, was eigentlich implizieren würde, dass der Schulleiter in seinem Büro war. Doch nachdem der stellvertretende Schulleiter gegen die Tür geklopft hatte, und diese aufgesprungen war, hatte sich ein helles Licht ausgebreitet, dass auch die Schüler erfasst hatte, die sich versteckt hatten, um den Schulleiter einsacken zu können.

Irgendwie konnte sich dann niemand mehr erinnern, ob und was dann passiert war. Die Schüler wachten in ihren Betten auf, als wäre nichts gewesen und vermutlich war das auch der Fall. Nun, wäre da nicht der seltsame schmutzige Ruß, der in ihren Gesichtern klebte. Es konnte sich jedoch niemand an etwas erinnern, vor allem nicht daran, wie sie zu diesem Dreck gekommen waren. Das Duschwasser dieser Abenteurer war an diesem Tag sehr schwarz, allerdings ging nicht alles ab. Ein Fleck auf dem rechten Handrücken blieb ihnen allen erhalten, als wären sie gezeichnet worden.

Jolene fand es nicht weiterschlimm, eher cool. Daher prahlte sie auch am Frühstückstisch über ihr seltsames Abenteuer, von dem keiner mehr irgendeine Erinnerung hatte. „So cool kanns ja dann gar nicht gewesen sein“, murrte Derrick Nott leise vor sich hin, zu scheu es laut auszusprechen. Allerdings war nicht nur er der Meinung, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Abby fand es sogar recht bedenklich. Sie, Leandra und Olivia waren der Meinung, dass sie unbedingt mit Smith darüber sprechen mussten, vielleicht wusste er ja Bescheid, also wollten sie ihm gleich am Morgen in der großen Halle abpassen.

Doch der Plan der beiden Mädchen ging nicht sofort auf. Smith erschien nicht zum Frühstück. „Er wird doch nicht verschwunden sein, so wie meine Mutter, oder?“, fragte Leandra ein bisschen besorgt. Nicht, weil sie sich Sorgen um den Professor machte, sondern weil ihr der Umstand des Lehrerverschwindens Sorgen bereitete. „Wie, deine Mama ist verschwunden? Ist mir gar nicht aufgefallen!“, meine Abby ein bisschen schnippisch, weil ihre Freundin aus Slytherin von nichts anderem mehr redete. Tatsächlich war es den Schülern bisher noch gar nicht so aufgefallen, dass die allseits gefürchtete Lehrerin nicht da war. Irgendwie hatten manche eben angenommen, sie würde sich erst im Schatten verstecken und dann darauf warten, anzugreifen.

Also machten sich die drei Mädchen auf, den Verteidigungsprofessor schon vor dem Unterricht anzutreffen. Doch im Büro fanden sie nur eine aufgelöste Merida vor, die sich darüber beschwerte, dass ihr Daddy nicht da war. „Ich glaube es war ein Fehler Smith für diese Mission mit einzuspannen“, kam Abby zu dem Schluss und Olivia nickte. Eigentlich war die gesamte Aktion eher ein Reinfall gewesen. Olivia war insgeheim nämlich der Meinung, dass Dumbledore schon genau wusste, was er tat und gewiss aus gutem Grund. Vermutlich war irgendetwas im Busch, sodass er sich so verhalten musste.

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„Oh maaaaanno!“, fluchte Aneurin langgezogen und sah auf seine Kamera, die ebenfalls komplett mit dem schwarzen Staub bedeckt war. Wie bekam er das nur wieder ab? Seufzend zückte er seinen kleinen Blasebalg und begann damit, die Linse von dem Kamerakörper zu nehmen, um mit Hilfe des Balgs den Ruß abzupusten Dies nahm natürlich einiges an Zeit in Anspruch, weswegen er auf das Frühstück verzichtete und sich in seine eigene eingerichtete Dunkelkammer zurückzog. Seltsamerweise war der Film seiner Kamera voll, obwohl er sich nicht daran erinnern konnte, alle Bilder verschossen zu haben. Aus diesem Grund machte er sich gleich daran, die Fotos zu entwickeln, was natürlich einiges an Zeit in Anspruch nahm.

Auch wenn der Hufflepuff ansonsten ein ziemlicher Chaot war, war er beim Entwickeln der Bilder doch ziemlich genau und ruhig, was er ja auch sein musste, damit die Bilder alle gut wurden und nichts schief ging. Ansonsten würde alle Fotos kaputt gehen, wenn etwas schief ging. Tatsächlich hatte er auch von Bagley schon lange einen Zauber erfragt, mit dem er für das benötigte rote Licht sorgen konnte, damit er etwas sehen konnte, sobald man eine Lichtquelle anmachen durfte. Strom gab es ja im Schloss ohnehin keinen, allerdings nahm Aneurin stark an, dass auch das Licht des Lumoszaubers die Negative überbelichten würde.

Doch als alles soweit war, dass er das Rotlicht anmachen konnte, fiel ihm etwas seltsames ins Auge. Der dunkle Fleck auf seinem Handrücken, der sich nicht entfernen ließ seit heute Morgen, sah plötzlich aus, als würde er leicht leuchten. Die Form, die sich ihm offenbarte, war die eines Ziegenhufs. Noch dazu kam, dass auf einem der Bilder, die sich langsam in der Flüssigkeit entwickelt hatten, eine seltsame und sehr gruselige Gestalt zu sehen war. Yates wurde blass.

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Natürlich sprach sich die Entdeckung des Hufflepuffs schnell herum, jedoch glaubte ihm kaum jemand. Nachdem jeder wusste, dass Aneurin sich sonst Geschichten nur ausdachte und zu Papier brachte, war man nicht wirklich davon überzeugt, dass er nun nicht auch wieder eine Geschichte erfunden hatte, um etwas Pepp in den müden Alltag zu bringen. Schließlich klang das, was er da berichtete, nach Teufelsanbetung oder solchen Kram. „Echt, Mann. Lass mal stecken. Mir haben deine Fantasien über den ollen Smith und Lestrange schon gereicht“, murrte Ilian richtig angewidert und stieß den zerzaust aussehenden Schüler zur Seite.

Tatsächlich sprach sich ebenso schnell herum, dass Aneurin nun nur etwas erfand um vorzutäuschen, dass etwas Gefährliches im Gange war, während in Wirklichkeit er die beiden verschwundenen Lehrer entführt hatte, um sie einzusperren und dazu zu bringen, zusammen zu kommen. So eine kranke Nummer traute man ihm definitiv zu. Immerhin wirkte er schon so, als ob er auf so komische Sachen total abfahren würde.

Dabei log er nicht, aber dass ihm kaum jemand glauben wollte, machte ihn tatsächlich fertig, weswegen er sich im Gemeinschaftsraum auf das Sofa fallen ließ und die seltsamen Bilder von gestern Abend auf den Tisch schmieß. Da Zehra, Amy und Haley gerade dort saßen, und Haley nur knapp dem Hintern des Jungen entging, der sich auf sie fallen lassen wollte, waren die Fotos natürlich schnell in den Händen der Mädchen. „Hey!“, versuchte Yates sie davon abzubringen, doch zu spät. Eigentlich hatte er jetzt keine Lust mehr dazu, jemanden zu überzeugen, oder etwas erklären zu müssen. Sollten sie doch glauben, was sie wollten.

„Das sieht echt seltsam aus … Du warst gestern dabei oder?“, fragte Amy und deutete auf den Handrücken des Jungen. Aneurin nickte nur. Sie hatte so einen Fleck schon bei Aiven gesehen. „Sieht echt übel aus“, murmelte Zehra mit leicht gerümpfter Nase.  „Noch übler ist allerdings, dass John weg ist. Der Fleck da geschieht euch ganz recht!“, meinte Haley Chiara und zog eine schmollende Miene, „was, wenn ihm was passiert ist?“

„Ähm … der Typ ist gefühlt 100, der kann sicher auf sich aufpassen“, seufzte der Junge und schüttelte den Kopf. Die sprachen ja über den Professor als wäre er ein Kleinkind. Doch ganz so amüsiert waren die drei Mädchen nicht über die Aussage des Hufflepuff. Denn kaum hatte er kurz nicht aufgepasst, wurde er auch gleich von drei Kissen im Gesicht getroffen.

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Kurz darauf war ein Krisengipfel einberufen worden. Denn ganz so cool war es dann doch nicht, dass man nicht mehr wusste, was vorgefallen war. Außerdem hatten die Gryffindors es schon ziemlich satt, auf ein kleines Kind aufzupassen. Nicht, weil Merida anstrengend war, sondern weil sie irgendwie die Sorge hatten, dass das kleine Blondchen am Ende nur ihrem Papa alles petzen könnte, was im Gemeinschaftsraum so erzählt wurde. Desweiteren durfte man auch nicht fluchen, wenn es Kind anwesend war, und das fanden einige doof. Aus diesem Grund wollte man einen Plan schmieden und besprechen, was man von Aneurins Entdeckung hielt.

Natürlich waren sie alle skeptisch, aus diesem Grund wurde der übergreifende Gemeinschaftsraum kurzerhand abgedunkelt, ehe Aneurin kurz den Zauber ausführte. Der Spruch tauchte den Raum in ein gruseliges rotes Licht, doch es offenbarte endlich, was Aneurin gemeint hatte. Der dunkle Fleck auf den Handrücken sah plötzlich nicht mehr so langweilig aus, sondern der Abdruck eines Ziegenhufs leuchtete auf. Ebenso wirkten die Fotos, die Bentley geschossen hatte, noch viel gruseliger. Als ob die Augen der seltsamen Ziegengestalt rot leuchten würden. „Das ist der Teufel!“, murmelte Galina und bekreuzigte sich zehnmal.

„Red doch keinen Unsinn … den gibt’s doch gar nicht!“, seufzte James Edwards genervt. Für so einen Unsinn hatte er echt keine Nerven. Daher zog er das Bild nahe an sich heran, um es besser sehen zu können. „Das kann genauso gut ein Illusionszauber sein und Smith verarscht uns. Dem ist doch jetzt auch megalangweilig, wo er arbeiten muss.“

 

Als wäre das ein Stichwort gewesen, ruckelten plötzlich alle Fensterläden und die Stühle klapperten. Das rote Licht verschwand und sie saßen von der einen Sekunde auf die andere im Dunkeln. „Aaaargh, irgendetwas hat nach meiner Hand gegriffen“, schrie Caiden plötzlich auf. „Mach dich nicht an, das war ich“, erklärte Jolene. Danach wurde es jedoch wieder still, und jeder versuchte zu horchen, da ihnen so war, als hätten sie ein seltsames Geräusch vernommen. Tatsächlich war da etwas, das wir ein leises Grummeln klang, das immer lauter wurde. Die Meute rottete sich immer mehr zusammen, um ja wenig Platz zu bieten, auch wenn sie nicht wussten, was sie zu erwarten hatten. Die Versuche, einen Lumoszauber zu entfachen, scheiterten.

Das Poltern wurde immer lauter und auch das Grollen und Grummeln nahm zu, als ob etwas im Dunkeln näher kam. Die Minuten schienen sich ins Endlose zu ziehen, als das Geräusch plötzlich ohrenbetäubend laut wurde, und sie sich alle die Ohren zu halten mussten. Dann war es so schnell vorbei, wie es begonnen hatte. Die Fackeln an den Wänden brannten wieder und die Fensterläden waren geöffnet. Alle Anwesenden sahen sich an, ob es jedem gut ging, ehe sie anfingen die Umgebung zu erkunden. Die Stühle lagen am Boden, die Tische waren umgestürzt und der Boden war mit Ruß bedeckt. Um sie herum waren dieselben Spuren wie auf ihren Handrücken.

„Das war der Teufel!“, wimmerte Caiden vor sich hin, ehe er von Jolene eine verpasst bekam, damit er sich wieder zusammenriss. Auch wenn sie nicht leugnen konnte, dass das Ganze nicht normal gewesen war, aber den Teufel gab es nicht!

„Seht mal da!“, erklang es plötzlich. Aiven zeigte auf den Boden, wo in den Ruß >Geht verdammt nochmal zum Unterricht< geschrieben stand. „Wer war das?“

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