3. Dezember

Um die Schüler aus ihren Betten zu bekommen, hatte man sich etwas ganz Feines ausgedacht. Dumbledore hatte Hagrid dazu extra schon vor zwei Tagen dazu angewiesen, seine Hühner ins Schloss zu verlegen, auch wenn es dazu Protest von Filch gegeben hatte. Doch da die Tiere schon im Gebäude waren, musste man sich nicht erst zu ihnen durchgraben und sie erst ausgraben. Außerdem wären sie tiefgefroren mehr als unnützlich für das Vorhaben!

Natürlich hatten Dumbledore und Dutton kurzerhand dafür gesorgt, dass es nun mehr Hähne gab, und hatten die Hauselfen damit angewiesen, in jeden Schlafsaal einen davon zu platzieren. Nun, da kein Sonnenlicht mehr durch die Fenster des Schulgebäudes dringen konnte, brauchten die Schüler ein anderes Mittel um wach zu werden. Um Punkt 6 Uhr begannen also in jedem einzelnen Schlafsaal die Hähne zu krähen, sodass jeder einzelne aus seinen Betten fuhr, als wären sie von einer Spinne gebissen worden. „What the fuuuuuuck“, brüllte David laut und bekam schon wieder tadelnde Blicke von seinen Kameraden.

Doch es waren auch andere wenig erfreut über den neuen Wecker, der ihnen aufgezwungen wurde. Im Gemeinschaftsraum der Gryffindors duftete es schon früh am Morgen nach Chicken Nuggets. Die hatte zumindest gleich ordentlich Rache an dem störenden Tier genommen, was den Vegetariern und Veganern des Löwenrudels natürlich überhaupt nicht gefiel. Sie starteten sofort Petitionen, die dafür waren, keine Tiere mehr im Schloss zu schaden kommen zu lassen. Seltsamerweise landete das Pergament jedoch nie auf dem Schreibtisch der Schulleitung, sondern direkt in dessen Mülleimer, wo schon andere gestartete Petitionen ihr Ende gefunden hatten. Wer wollte zum Beispiel schon, dass Hogwarts von nun an ökologisch wurde? Was immer Zauberer und Hexen auch darunter zu verstehen hatten.

Lore und Lecea hatten den Hahn, der sie aus dem Schlaf gerissen hatte, zwar nicht gleich auf einen Spieß gesteckt und in den Kamin gehängt, aber sie hatten einen recht ähnlichen Plan. Letztgenannte hatte nämlich von einem mysteriösen schwarzmagischen Trank gelesen, der sich Omashühnchensuppe nannte, und von dem sie bisher noch nichts gehört hatte. Aber da sie sich gestern Abend noch in die Verbotene Abteilung geschlichen hatte, wo Farrell über seinen Büchern eingepennt war und sie dieses Trankrezept stibitzen konnte, nahm sie stark an, dass er mächtig sein musste. Wieso sonst wäre er in der Abteilung zu finden, in der sie eigentlich gar nicht sein durfte? Da sie dazu ein Federvieh brauchten, kam der Hahn da nur sehr gelegen.

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Ganz so wie geplant ging Dumbledores Plan also nicht auf. Dabei hatte er wirklich damit gerechnet, dass es idiotensicher war, die Kinder erstmal zu wecken, was sie gewiss dazu verleitet hätte, von ganz allein zum Unterricht zu kommen. Doch erneut blieben die Klassenzimmer fast leer. Nur ein paar Ravenclaws hatten es tatsächlich in das Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste geschafft, sehr zum Leidwesen von Professor Smith, auf den eigentlich schon seine Kollege Eriksen und Blackford an der Tür gewartet hatten. Immerhin stand in der Schulordnung, dass man sich den Tag frei nehmen konnte, wenn die ersten 20 Minuten keiner auftauchte. Oder so. Dass diese Regel jedoch irgendwie anders geschrieben stand war den Männern sichtlich egal.

Enttäuscht zogen sie wieder von dannen und ließen John erstmal alleine mit seinen wenigen Schülern. Manchmal war das Pflichtbewusstsein und der Eifer der Ravenclaws einfach ein Fluch. „Na gut, was wollt ihr heute denn machen?“, fragte Smith in die Runde. Er hatte nichts vorbereitet. Wozu auch? Normalerweise war im Dezember quasi nie Unterricht, daran hatte er sich längst gewöhnt, auch wenn er irgendwie das Gefühl hatte, dass in letzter Zeit nur mehr Dezember war und er somit fast schon ein paar Jahre nicht mehr anständig unterrichtet hatte. Klar, dass er das da irgendwie verlernte, nicht?

„Wie wärs mit Zauberei? Schließlich sind wir ja eine Schule dafür, nicht?“, motzte Medea frech, sodass Smith sich zusammenreißen musste, ihr nicht automatisch die Zunge zu zeigen. Das wäre kein angemessenes Verhalten. „Ich meine, als Reinblüter bin ich zwar reich, schön und superintelligent, und müsste eigentlich gar nichts lernen um super Noten zu schreiben, aber irgendwer hat mir gesagt, dass ich dann zu overpowert wäre“, erklärte ein anderer Schüler, der auch schon so wie der typische Reinblut aussah.

„Hä, ich dachte es wären grade nur Ravenclaws anwesend?“, fragte John verwirrt. Wo kam plötzlich dieser seltsame Slytherin her?

„Pff, das ist mir hier zu viel Schubladendenken. Ich gehe, Bro, das ist nicht nice“, verkündete der Junge, nahm sein iPhone und ging. Immer diese seltsamen reinblütigen Reinblut-Slytherins, mit ihrem plötzlichen Muggelkramfetisch und dieser fürchterlichen Muggelsprache, bei der sich jeder große Schriftsteller und auch noch jeder noch so kleine Sprachliebhaber im Grabe umdrehte. Die Sprache der Kinder war einfach untragbar geworden. Vielleicht war Dumbledore ja deswegen plötzlich so durchgedreht. Aber man weiß es nicht, man munkelt nur.

Smith massierte sich zur Beruhigung den Nasenrücken. Doch es half nicht. „Hildegard. Fass“, befahl er seiner Acromantula, doch die schüttelte nur den Kopf. „Nicht mit mir Brudi!“, klackerte sie und verschwand ebenso. In Momenten wie diesen fragte sich John, wieso er sich das alles eigentlich noch antat und nicht längst gekündigt hatte.

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Der Tag an sich wurde allerdings auch nicht wirklich besser. Anstatt dem Unterricht beizuwohnen, hatten sich die Schüler in ihren Gemeinschaftsräumen verschanzt und planten Pläne, wie sie Dumbledore wieder zur Besinnung bringen konnten. Schließlich war der alte Sack bisher immer sehr weihnachtlich gestimmt unterwegs gewesen und nun war er das nicht mehr. Es lag eine seltsame Stimmung in der Luft, die man fast greifen konnte. Irgendetwas schien hier faul zu sein, und das war gewiss nicht der leise Wind, der da in Aryas Nase zog.

„Ich bin dafür, dass wir die Drei Engel für Smith reaktivieren und dafür sorgen, wieder ein bisschen Ordnung in die Sache zu bringen. Und John wird uns sicher helfen, Dumbledore zur Besinnung zu bringen, immerhin ist er genauso ungern in der Klasse wie wir!“, schlug die Ravenclaw vor und schlug dabei auf dem Tisch, um den sich ein paar der Adler versammelt hatten. Die Anwesenden nickte zum Teil, Salome rieb sich die Stirn. „Ist dir bewusst, dass es sein Job ist, uns was beizubringen?“, fragte sie einfach mal so und meinte diese Frage eigentlich rhetorisch, doch Arya begann tatsächlich darüber nachzudenken, da an der Sache was dran war, „lasst uns doch einfach mitspielen. Dann erfahren wir schon, wieso wir jetzt wieder auf artige Schüler machen sollen.“

Der Vorschlag klang schon vernünftiger, auch wenn Janet nun enttäuscht Niamh losließ, die bewusstlos zu Boden sackte. Die Blonde hatte ihrer rothaarigen Klassenkameradin nämlich sauber eins übergezogen, nachdem Arya von Smiths Engeln gesprochen hatte, um deren Platz in der Truppe einzunehmen. Immerhin wollte sie auch nützlich sein und helfen. Dabei wäre es auch ziemlich einfach gewesen, die Engel um ein weiteres Mitglied zu erweitern. Aber eben zu einfach. Es machte viel mehr Spaß, ein bisschen auf den Putz zu hauen! Dennoch entschieden sich die Ravenclaws ihrem Haus lieber Ehre zu machen, und artig zu lernen, als für Radau zu sorgen. Was ziemlich schade war, denn Jamie Sophie Nightowl und Cassandra Mirfield hatten schon begonnen kleine Bomben zu basteln.

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Auch bei den Hufflepuffs kam man zu einer eher friedlichen Lösung. Und das nicht nur, weil Helena und Zehra dazu aufgerufen hatten, ein paar Kekse zu backen, weil das viel besser fürs Gemeinschaftsklima war, als öde Streiks. Dumm nur, dass Dutton gerade bei den Dachsen in den Gemeinschaftsraum eindringen konnte und da dieser leer stand, war er auch der Auffassung, dass die Hufflepuffs gewiss ausgeschwärmt waren, um etwas Fürchterliches zu planen, weswegen er nun durch das Schloss lief, wie ein aufgescheuchtes Huhn und Alarm schlug. Sehr zum Amüsement des Lehrerkollegiums, die wussten, dass die Hufflepuffs niemals irgendetwas anstellen würden. Zumindest nicht mutwillig. Bei denen kam es eher immer ausversehen zu irgendwelchen Unglücksfällen. Wie zum Beispiel, dass Bentley unbeabsichtigt in den Keksteig nieste. Zum Glück hatte das niemand gesehen.

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Natürlich wollten die Slytherins auch etwas Bitterböses planen. Sie waren immerhin die Elite der magischen Bevölkerung, da durfte ihnen niemand einfach so sagen, was sie zu tun hatten und was nicht. Doch so einfach war es nicht, böse Pläne zu schmieden, solange Penthesilea über alle mit Argusaugen wachte. Aus diesem Grund hatten sie kurzerhand ihrer Boyfriend aus dem Ravenclawturm entführt, um sie abzulenken. Was auch ziemlich gut klappte. Also erklomm Katherine Thornwood wieder ihren Thron im inneren des Gemeinschaftsraum und wies ihre Marionetten an, sich etwas auszudenken, auf das sie dann ihren Namen schreiben konnte. Da sie superheiß war, waren die Havishams natürlich gleich zu ihren Füßen, und umgarnten sie mit allerlei Idee, die allesamt Alkohol und Drogen beinhalteten. Manche sogar Nuten, aber die überhörte man einfach.

Leeroy hatte darauf nicht wirklich Bock, immerhin hatte er seinen Eltern versprochen, trotz seines pelzigen Geheimnisses gute Noten nach Hause zu bringen, daher verstand er diesen Aufstand nicht ganz. Was tat man da also als Ehrenmann? Klar, man schnappte sich ein paar der Mädels im Gemeinschafstraum und startete eine Petition! Auch wenn er nicht so genau wusste, gegen was.

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Und was machten die Löwen? Tja … Bei denen herrschte natürlich Anarchie. Ein Sofa neben dem Eingang brannte bereits lichterloh, während die meisten der Schüler sich gegenseitig Kriegsbemalung ins Gesicht schmierten. Hier nahm man die Sache ziemlich ernst. Hier zählte nur eines: Man würde nicht so schnell aufgeben und den braven Schüler spielen! Niemals!

„Wir kämpfen hier um unsere Freiheeeeeeeit“, brüllte Jolene am Ende ihres Vortrags und bekam viel Bejubelung durch ihr Rudel. Die Jungs waren Feuer und Flamme für das Mädchen, dass sich das Gesicht blau und weiß angemalt hatte und ein abgebrochenes Tischbein nach oben hielt. Ihren Geschwistern war das allerdings nur mehr als peinlich, wie ihre Schwester sich benahm, auch wenn Juniper auch ein bisschen neidisch war, dass ihr großes Vorbild die Menge so mitreißen konnte.

Allerdings war Jolene nicht die einzige, die ein Rudel Löwen anführte. Auch Abby stand mit ihrer Meute zusammen und warf nur kurz einen Blick zu den anderen, um kurz darauf mit dem Kopf zu schütteln. „Diese jungen Leute, die immer mit dem Kopf durch die Wand wollen. Dabei geht es doch anders viel einfacher. Los, Olivia, erklär mal den Plan“, bat sie ruhig und gelassen. Abby war Vollprofi in solchen Situationen und brauchte keinerlei Schminke im Gesicht, um sich gehör zu verschaffen.

Olivia, der Schlaukopf der Bande, nickte ihrer Freundin zu und zu erklären, was sie den gesamten Tag über ausgetüftelt hatten. Natürlich war es kein Leichtes, James Edwards und Scipio zum Zuhören zu bringen, aber der Plan fesselte sie.

„Hey, hört ihr mir zu?“, brüllte Jolene quer über den Raum, als sie sah, dass ihr eine ganze Gruppe an Löwen keine Aufmerksamkeit schenkte. „Nein“, antwortete Abby kurz und simpel, was der anderen Gryffindor natürlich überhaupt nicht schmeckte.

Kurz darauf hatte man das Gefühl, in einem richtigen Löwengehege zu sein. Anstatt weiter an ihren Plänen zu schmieden, fielen sie plötzlich übereinander her, ja, manche bissen sogar. Es war kein schöner Anblick. Dabei hätten sie friedlich miteinander reden können, und ihre Ideen aufeinander abstimmen. Schließlich waren sie ohnehin die einzigen, die Tatsächlich schon etwas vorweisen konnten. Die anderen Häuser gaben eher klein bei. Oder doch nicht? Man konnte schließlich nie wissen, ob nicht doch noch jemand ein Ass im Ärmel hatte.

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