24. Dezember

„Verdammte kacke“, fluchte Christian laut, was ihn böse Blicke von Isabella einbrachte. Darauf achtete er jedoch nicht. Die Schneekugel war seit einem Tag verschwunden, was ihn leicht nervös machte. Eigentlich hatte er gehofft, dass sie wiederauftauchen würde, aber sie blieb leider verschwunden, was seine Lage nicht verbesserte. Wütend trat er gegen einen Stuhl und verfluchte diesen danach, und hielt seine schmerzenden Zehen, während er auf und ab sprang.

Verständnislos sah Isa ihn an. „Könntest du dich bitte normal verhalten? Colin soll so ein Verhalten nicht mitbekommen“, warf sie ihm vor und war froh, dass der Junge friedlich in seinem Bettchen schlief. Seit gestern war er besonders artig und hatte nichts angestellt, und schlief sogar brav an den festgelegten Bettgehzeiten ein. Daher wollte sie nicht, dass Christian ihn nun auf dumme Gedanken brachte. Am Ende würde der Junge dann noch zur Strafe keine Geschenke erhalten und das würde ihr mehr wehtun als dem Kind.

Am liebsten wäre Kavanagh nun explodiert, aber er hielt sich zurück. Stattdessen atmete er tief ein und rieb sich den Nasenrücken. Irgendwo würde das dämliche Stück schon herumliegen. Eigentlich hatte er nun, da seine Freundin von dem Balg gesprochen hatte, auch so eine Idee. Doch wenn er jetzt in das Kinderzimmer stürmen würde, wäre Isabella so richtig sauer auf ihn. Also entschied er sich, diplomatisch vor zu gehen. „Du hast recht, es tut mir leid. Kommt nicht wieder vor!“, versprach er, näherte sich der Frau und schmiegte sich an sie, ehe er ihr etwas zärtlich ins Ohr flüsterte. Knallrot angelaufen, kicherte Isa kurz, und eilte dann schnell davon.

Diese Zeit nutzte Christian, um in das Zimmer des Kleinkindes zu schleichen und es schnell zu durchsuchen. Überraschenderweise war hier jedoch auch keine Schneekugel. Erneut kämpfte er gegen einen Wutausbruch an, eilte jedoch schnell zurück in die Küche, ehe Isabella zurückkehrte.

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Nachdem Lieselotte ihn durchs halbe Schloss gejagt hatte, war es den Professoren am Ende doch noch gelungen, Dutton dingfest zu machen. Der kleine Mann saß nun festgezurrt auf einem Stuhl, umzingelt vom Kollegium. Natürlich hatten Farrell und Co überlegt, dem Kerl zu Hilfe zu eilen, doch irgendwie hatten sie auch keine Lust mehr, sich von ihm herumscheuchen zu lassen. Also begrüßten sie es nur, wenn man etwas gegen ihn unternahm, auch wenn es ziemlich seltsam klang, dass er besessen sein könnte. Umso spannender fieberte man nun dem Ritual entgegen, dass Dumbledore erwähnt hatte. Das würde hoffentlich endlich antworten bringen.

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Apropos Antworten.

Glücklich darüber, endlich verheiratet zu sein, schwebte Kijada natürlich auf Wolke sieben. Aus diesem Grund hatte sie gestern dann auch beschlossen, dass sie und JT auf den kleinen Colin aufpassen könnten. Natürlich war der Donovan nicht sonderlich begeistert, Babysitter zu spielen, weil er genau wusste, worauf das hinauslaufen sollte: Es war eine Probe, ob sie schon als Eltern geeignet waren.

Da Kavanagh zuvor seiner Freundin ein paar sehr anrüchige Sachen ins Ohr geflüstert hatte, kam Isa nur zu gerne auf das Angebot zurück, und so waren Kijada und JT auch prompt in das Haus der Hexe eingeladen worden, um auf das kleine Balg aufzupassen.

Leider war Colin alles andere als begeistert und weinte ständig. Da JT so gar nicht wusste, was er tun sollte, oder wie man ein Kind hielt, hatte er die Arme von sich gestreckt und hielt es so in die Luft. „Es stinkt. Das Ding stinkt!“, merkte er angeekelt an. Jada seufzte nur und lief in Colins Zimmer, um eine frische Windel zu holen und hoffte, dass JT sich in der Zwischenzeit nicht übergab. Als Eltern taugten sie wohl noch nicht so ganz.

Leider hatte sie jedoch vergessen, wo Isa die frischen Windeln aufbewahrte, weswegen sie wahllos Schubladen öffnete, und dabei zum Glück das Gesuchte, aber auch eine hübsche Schneekugel fand, die sie sofort wiedererkannte. Natürlich nahm sie diese mit ins Wohnzimmer. Irgendetwas hatte das Ding an sich, was sie einfach magisch anzog. Tatsächlich half das Ding auch, den Jungen wieder ruhiger zu stimmen. Also vermutete sie, dass es wohl sein Spielzeug war, auch wenn sie es zuletzt in den Händen von Kavanagh gesehen hatte.

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Für die Gestalt vom Vortag war es nicht ganz so einfach herauszufinden, wer der Junge auf dem Bild war. Aus Datenschutzgründen konnte er ja nicht einfach zu jedem hingehen und fragen, ob er das Kind kannte. Sowas gehörte sich einfach nicht. Aus diesem Grund nutzte er die Vögel, die jedoch noch zu erschöpft waren, um nach Hause zu finden. Heute gelang es allerdings, sodass der Mann zunächst bei Morgans Allerlei landete, wo Bruce und Gabriel ziemlich frustriert und übermüdet wirkend über einem großen Tisch brüteten. Noch immer versuchten sie einen Plan auszutüfteln, um nach oben zum Schloss zu kommen.

Man kann sich also kaum vorstellen, wie groß die Freude war, als er Sindbad wiedersah. Auch wenn man es kaum für möglich halten könnte, knuddelte er das Federvieh ordentlich durch und verdrückte sogar ein paar Tränchen. Erst danach erkannte er den Mann, der seinen Laden betreten hatte. „Sollten Sie nicht im Schloss sein?“, fragte er sofort, doch bevor er noch andere Dinge fragen konnte, wurde er mit einem Psst zum Schweigen gebracht. „Kennt ihr vielleicht diesen Jungen?“, fragte die Gestalt stattdessen und reichte den beiden Männern das Bild und die Briefe, die die Vögel bei sich hatten.

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Erleichtert, dass Colin wieder eingeschlafen war, nachdem er gewickelt und gefüttert worden war, saßen JT und Kijada erschöpft auf dem Sofa und waren sich im Stillen einig, dass ein Kind nichts für sie war. Zumindest jetzt noch nicht. So etwas war viel zu anstrengend. Daher war es kaum verwunderlich, dass JT nach kurzer Zeit ebenso wegdöste. Dabei passten sie gerade mal eine Stunde auf den Jungen auf.

Da sie nicht auch einschlafen wollte, machte sie sich eine Tasse Tee und bemerkte somit die drei Männer, die sich dem Haus näherten, noch ehe diese klopfen konnten. „Hey, Mr. Kavanagh und Isabella sind im Spa. Kann ich ihnen was ausrichten, wenn sie wiederkommen?“, fragte sie höflich, nachdem sie die Tür geöffnet hatte.

„Nein, das ist nicht nötig, eigentlich wollten wir nur zu Colin“, versicherte Bruce. „Der schläft aber grade“, erklärte die junge Frau. „Das ist kein Problem. Wir wollen nur etwas überprüfen!“, fügte Gabriel an und schob die frischgebackene Mrs. Donovan zur Seite, um einzutreten. „Hey!“, protestierte diese.

Weit kamen die Männer jedoch nicht, da der dritte im Bunde den beiden anderen deutete, dass sie stehen bleiben sollten. „Ich denke, dass wir gefunden haben, wonach wir gesucht haben!“, gab er von sich und schritt zu dem Tisch. Als Kijada zuvor beschlossen hatte, sich eine Tasse Tee zu machen, hatte sie die Schneekugel mit in die Küche genommen, aus Angst, JT könnte sie ihm Schlaf kaputt machen. Diese stand nun auf dem Tisch und schien die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zu ziehen.

„Was ist so interessant an Colins Spielzeug?“, wollte die ehemalige Slytherin mit verschränkten Armen wissen. Sie wollte Antworten.

„Tja, so einiges. Aber dazu sollten Sie sich erst einmal setzen“, schlug die Gestalt vor und deutete auf einen der Stühle. Ein wenig verwundert, ließ sich Kijada nieder und begutachtete den Mann. Wieso war er hier und nicht im Schloss? Wie war das überhaupt möglich? Doch anstatt das alles zu erfragen, blieb sie erst einmal still und lauschte der Erklärung, die ihre Augen immer größer werden ließ.

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Irgendetwas war bei dem Ritual fürchterlich schief gelaufen. Oder aber es gehörte so. Denn plötzlich war es stockfinster im Lehrerzimmer und ein grausiges Heulen war zu hören. Es wurde eisig kalt, und niemand wusste so genau, was gerade passierte, weil auch niemand etwas sehen konnte. „Help“, fiepte einer der Professoren. Wer genau es war, konnte man nicht ausmachen.

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Es hatte etwas gedauert bis Kijada wirklich aufnehmen konnte, was die Besucher da von sich gaben, doch irgendwann entschied sie sich doch, ihnen zu glauben und vor allem ihnen die Schneekugel zu überlassen. Mit dieser im Gepäck waren sie nun auf dem Weg zum Schloss. „Und das funktioniert wirklich?“, harkte sie neugierig nach, als sie den Weißbärtigen musterte, wie er da so vor der Schneemauer stand und die Schneekugel hin hielt.

„Ich vermute es, ja. Zumindest stand es so im Märchen“, antwortete er ihr, was sie nicht gerade zuversichtlich stimmte. Märchen enthielten immer nur einen kleinen Funken Wahrheit, daher könnte alles Mögliche an der Erzählung wahr sein, aber es musste nicht gerade diese Stelle sein.

Der Mann schloss die Augen und begann leise vor sich hin zu murmeln. Bruce und Gabriel waren aufgeregter als kleine Kinder an Weihnachten, während sie ihren Begleiter dabei zusahen, wie er eine Zauberformel wiedergab.

Als er geendet hatte passierte gar nichts. „Na toll, ich wusste es, dass ihr nicht alle beisammen habt“, seufzte die Hexe und wollte dem alten Mann schon die Kugel abnehmen, um zurück zu ihrem schlafenden Ehemann und dem Kleinking zu laufen. Doch dann bebte plötzlich der Boden und ein Lichtstrahl drang aus der Schneekugel, der direkt auf die Schneemassen zielte.

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Licht durchflutete das Gelände und auch das vor kurzem noch im Dunkeln gelegene Schloss. Alle Schüler und Lehrer fanden sich im nächsten Moment auf dem Boden der großen Halle wieder. Stöhnend rappelten sich hier und da welche auf. Farrell hielt sich seinen schmerzenden Kopf und sah sich um. Kurz darauf erblickte er Dutton, der sich auch aufzurappeln versuchte. „Auf ihn!“, brüllte der Professor und stürzte sich auf den Kollegen. „Sind Sie des Wahnsinns? Was soll das?“, schrie der alte Mann und versuchte sich zu schützen.

Natürlich ging man davon aus, dass Dutton hinter diesem seltsamen Szenenwechsel steckte, weswegen er auch bald wieder an einem Stuhl gefesselt wurde und die Lehrer erneut das Ritual vorbereiteten. Diesmal sah man dem kleinen Professor allerdings Unverständnis und Panik an. Als ob er nicht begreifen konnte, was hier vor sich ging.

Glücklicherweise erklang plötzlich ein Räuspern von der Eingangstür der Halle, der alle innehalten ließ und den Beginn des Rituals stoppte. Völlig verwirrt starrten alle zur Tür, und dann wieder zu Dumbledore und dann wieder zur Tür.

Bruce, Gabriel und der Fremde waren, nachdem der Schnee verschwunden war, sofort zum Schloss aufgebrochen und standen nun am Fuße der großen Halle. „What the fuck? Bin ich besoffen oder gibt’s jetzt zwei Dumbledores?“, fragte Farrell fassungslos und rieb sich erneut seinen Kopf.

Tatsächlich stand neben den beiden Männern aus Hogsmeade der Schulleiter, der nun auf den anderen Dumbledore zuging und breit grinsend seine Hand schüttelte. „Aberforth! Ich hoffe, du hast mich gut vertreten!“, meinte Albus und kniff seinem Bruder dann in die Wange, „oh, und da ist ja auch Lieselotte! Hallo, Kleines!“ Schnell zauberte er ein Leckerli für die Ziege herbei und warf sie dem Tier hin.

Plötzlich schien es für einige mehr Sinn zu machen. Der Dumbledore, der sich im Schloss befunden hatte, war tatsächlich Aberforth und nicht Albus gewesen. „Das hättet ihr aber auch einfach an der Ziege erkennen können!“, gab Albus etwas beleidigt von sich, gab aber dann zu, dass sie alle absichtlich im Unklaren gelassen hatten, damit niemand bemerkte, dass er gar nicht da war.

„Und was ist mit dem Schnee? Wie kommen Sie hier her?“, fragte Abby frech und kniff die Augen zusammen. Das war doch alles faul!

„Nun“, begann Dumbledore, der Schulleiter, zu erzählen, „ich hatte von einem Märchen gehört, dass eine Schneekugel beinhaltet. Nach der wollte ich suchen, aber irgendwie hatte ich mich dann verirrt und als ich wiederkam, war da überall Schnee, also war es naheliegend, dass da etwas in der Richtung dahinter steckt. Außerdem hat ein Informant mir erzählt, dass Voldemort einen eigenartigen Horkrux hätte, den er jetzt angeblich einsetzen wollte.“ Also war es für ihn naheliegend gewesen, dass der Nasenlose ein weiteres Familienerbstück benutzt hatte, um seine Seele einzusperren, und weiters die Macht dieses Erbstücks missbrauchte, um sich gleich das gesamte Schloss vom Hals zu schaffen.

„Echt mega komplizierter Plan …“, murmelte Zehra, „da soll noch wer mitkommen!“

„Also waren die Ziege und dann Dutton quasi von Voldemorts Seele besessen?“, fragte Joe angeekelt, „also die war in ihm. So richtig?“ Pfui, allein die Vorstellung daran ließ sie schaudern.

Alle Blicke lagen nun auf dem aufgelösten Dutton, der nickte. „Ich kann gar nichts für all den Schlamassel!“

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Nachdem nun alles aufgeklärt war, und Dutton wieder losgebunden war, hatte die Kunde darüber, dass das Schloss wieder zugänglich war, schnell die Runde gemacht, sodass die Dorfbewohner in großen Scharen zu Besuch kamen und noch schnell eine große Weihnachtsfeier organisiert wurde. Alles wendete sich also doch noch zum Guten.

 

Alles? Naja, Kavanagh schwitzte nun nicht nur in der Sauna. Immerhin war der Plan des Lords gescheitert und er hatte versagt. Das würde vermutlich noch ein bitteres Nachspiel haben.

Aber bis dahin:

Frohe Weihnachten und schöne Feiertage!

Danke fürs Lesen, dass ihr bis hierhin gekommen seid! Liebä!

 

(PS: Wem die Ziegen bekannt vorkommen … tja … schamlos vom Forum geklaut, ne?)

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