21. Dezember

Tatsächlich war es ganz amüsant, als Twyla und Katelyn sich vor dem Schwarzen Brett im Lehrerzimmer plötzlich gegenüber standen und beide einen Flyer an die Wand pinnen wollten, um zu einer Weihnachtsfeier einzuladen. Zumindest versuchten sich beide an einem authentischen Lachen, obwohl beide im Hinterkopf hatten, dass es wohl keine gute Sache war, dass sie so ähnlich dachten und somit das Gefühl aufkam, dass die anderen wohl auch etwas zu planen schienen. Misstrauen machte sich also rasch breit, auch wenn man sich dazu entschloss, gemeinsam die Vorkehrungen für die Party zu treffen. Immerhin schien man ja dieselbe Idee gehabt zu haben, also konnte man sich auch helfen. Ganz einfach.

Als ob die Kunde über die Idee der beiden Frauen erst spontan die Runde gemacht hätte, taten die anderen Kollegen so als wären sie sofort Feuer und Flammen von der Idee. Manche wussten ja tatsächlich nicht, dass da etwas tiefergehendes geplant worden war. Dennoch wirkte es kaum auffällig, dass Farrell und Smith sofort und fast zeitgleich vorschlugen, für den richtigen Punsch sorgen zu wollen. Die beiden musterten sich kurz, entschlossen sich jedoch dafür, dass jeder seine eigene Kreation auftischen würde. Twyla wollte für Süßes sorgen. Somit verteilten sich die Aufgaben eigentlich soweit ganz gut. Alles schien glatt zu laufen.

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Nicht jeder war jedoch von so einer Idee angetan. Dutton für seinen Teil roch sofort, dass da etwas dahinter stecken musste, wenn jene, die er verdächtigte auf der anderen Seite zu stehen, dieselben Ideen wie seine Leute hatten. Aus diesem Grund wies er ein paar Slytherins dazu an, sich in der Nacht bereit zu halten und schmiere zu stehen. Er wollte wissen, falls sich jemand unbemerkt entfernen wollte, oder wenn etwas anderes passierte. Er selbst hatte irgendwie keine Lust daran, an dieser Feier teilzunehmen, aber um den Schein zu wahren sagte er zu, ebenso vorbeizuschauen. Im Moment hatte er ganz andere Sorgen.

Professor Dumbledore verhielt sich die letzten Tage seltsam. Er schien abwesend zu sein und Dutton eingehend zu mustern, wenn sich die beiden begegneten, obwohl er ihm doch irgendwie aus dem Weg zu gehen schien. Es schien fast so, als ob der alte Mann einen Gedanken hatte, den er ergründen wollte. Aus diesem Grund hoffte der kleine Professor, dass auch der Schulleiter zu der Weihnachtsfeier kommen würde, damit er auch aus ihm herauspressen konnte, was ihn so sehr beschäftigte, dass er sich distanzierte.

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War das nicht eine tolle Party-Atmosphäre, wo jeder seine eigenen Pläne verfolgen wollte, und die Feier eigentlich nur als Ablenkung gedacht war? Das war doch die beste Voraussetzung, um Spaß mit seinen Kollegen haben zu können. Nicht. Sogar die Schüler spürten, dass sich da etwas zusammenbraute, auch wenn es keiner benennen konnte, was genau passieren würde. Um Katastrophen zu verhindern, waren die Schüler nämlich nur zum Teil in die Pläne der Professoren eingeweiht worden. Ein kleiner Fehler, der zwar Missverständnisse vermeiden sollte, aber doch zu welchen führte. Vor allem als der heimliche Duellierclub sah, dass an gewissen Stellen Slytherinschüler und andere mit dem DA-Abzeichen seltsam herumstanden und sich eigenartig steif verhielten. Spionieren mussten die wohl noch üben.

Den Löwen stank das natürlich gewaltig. Wie ein stinkender Gestank der stinkt. Denn in dieser Hinsicht waren sowohl Abby als auch Joe sich einmal einig. Sie hatten es satt, sich so kontrollieren zu lassen, vor allem von solchen Leuten, die keine Ahnung von richtigen Observierungen hatten. Ein Plan musste also her, um es diesen Typen heimzahlen zu können.

Da traf es sich ganz gut, dass es gerade die Havisham Brüder waren, die vor dem Portrait der fetten Dame herumlungerten und so taten, als würden sie ein Buch und die Zeitung lesen. Nur dummerweise hatte der jüngere Slytherin das Buch geschnappt und hielt es verkehrt herum. Aber auch die Zeitung war keine gute Tarnung, denn Jonathan hatte viel zu große Gucklöcher reingeschnitten. Alles also ziemlich auffällig und nicht sonderlich gut durchdacht. Tatsächlich waren die Löcher so dämlich in die Zeitung geschnitten, dass der Havisham nicht wirklich sehen konnte, wer kam und ging, da er sich einen ziemlich großen Totenwinkel geschaffen hatte.

Aus diesem Grund zuckten die beiden ziemlich heftig zusammen, als plötzlich die beiden jungen Frauen vor ihnen standen. „Hallöchen!“, flöteten sie unisono ein paar Oktav höher als ihre Stimme sonst klang. Die beiden hatten sich fürchterlich aufgebrezelt, hatten dafür sogar ein bisschen Hilfe von Freya und Alana bekommen, da sie beide keine Ahnung hatten, wie man ein richtiges MädchenMädchen war. Dafür hatte es zuvor natürlich auch einen Crashkurs gegeben. Schließlich wollte das auch gelernt sein. Gerade Freya hatte darin ja schon viele Jahre Übung, daher war es ein Leichtes für sie, anderen Tipps dafür zu geben.

„Also Juuuungs … habt ihr Lust etwas mit uns zu unternehmen?“, fragte Abby und kicherte ein wenig dabei. Eigentlich hatte Freya ihnen ganz anders erklärt, wie sie die beiden Slytherins in eine Falle locken konnten, doch die Tipps hatten sie zum Teil schon wieder vergessen, oder einfach falsch verstanden. Immerhin konnte jeder etwas anders interpretieren, als es jemand gemeint hatte. „Wir würden euch nämlich ziemlich gerne näher kennenlernen!“, erklärte Joe und hob die Augenbrauen.

Irgendwo weiter hinten stand Aneurin mit seiner Kamera um das ganze Spektakel festzuhalten. Später würde Abby ihn einmal kurz verdreschen, weil sie die Fotos vernichten musste, ehe ihr Vater das sah. Am Ende würde sie noch nachsitzen müssen deswegen. Allein der Gedanke daran, wie peinlich sie sich hier verhielten, könnte schon dafür sorgen, dass die ganze Sache auffliegen könnte, doch die Havishams waren zu bezaubert von dem Anblick, der sich ihnen bot um noch irgendetwas mitzubekommen.

Daher war es ein leichtes, die beiden in eine Abstellkammer zu lotsen, wo schon andere Schüler warteten, und ihnen eins überzogen, ehe sie jeder auf einem Stuhl festgebunden wurden. Zum Glück lief alles so wie geplant, sodass sich Abby und Joe schnell wieder normal anziehen konnten.

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Da bisher im Schloss jegliche Dekoration gefehlt hatte, hatte sich jemand bei der Weihnachtsfeier für die Lehrer ziemlich ausgetobt. Allerdings wollte niemand zugeben, es gewesen zu sein. Eigentlich waren sie es alle gemeinsam gewesen, da jeder immer mal etwas dekoriert hatte, und nicht auf das geachtet hatte, was die anderen machten. Dumbledore, welcher der Feier höflichkeitshalber beiwohnte, rümpfte nur die Nase. Wie konnte man nur so weihnachtlich übertreiben? Verstand er so gar nicht.

Die Party kam zunächst aber gar nicht so richtig ins Rollen. Schließlich waren die meisten damit beschäftigt, an den Plan zu denken, sodass es schwer war, sich aufs Feiern einzulassen. Blackford hatte damit natürlich keine Probleme und weil er nicht wusste, wieso die anderen so steif waren, verteilte er Becher, die bis obenhin angefüllt waren mit seiner eigenen Kreation. Dazu hatte er die Punschkreationen von Farrell und Smith einfach zusammengepantscht und selbst noch ne Schippe oben drauf gelegt. Ein halber Becher allein würde genügen, um einen Elefanten auf die Matte zu schicken, und auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Weihnachtsfeier endlich in Schwung kam.

Da niemand von dem gepantschten Zeug wusste, wurde natürlich ahnungslos davon getrunken. Schon der erste Schluck wirkte tausend Wunder, und brachte das Ganze ziemlich in Schwung. Es dauerte also nicht lange, und laute Musik schallte durchs Lehrerzimmer und es wurde ziemlich wild getanzt. Im Abseits saß Smith, bewaffnet mit einem Glas Wasser neben Dumbledore und Dutton. Alle drei schienen noch nüchtern zu sein, doch Twyla torkelte schon auf Dutton zu, um ihm ebenso einen Becher Punsch zu bringen. Widerwillig trank der Professor davon, gerade genug, damit die Wirkung voll einsetzte. Freudig nahm er danach die Aufforderung zum Tanze an.

John seufzte und nahm einen Schluck von seinem Wasser. „Wieso trinken Sie nichts?“, wollte Dumbledore interessiert wissen. Irgendwie hatte er den Kollegen doch anders in Erinnerung. Smith zuckte mit den Schultern und sah dabei zu, wie Katelyn, Victoria und Arthur in einer Ecke standen, ein mikrofonähnliches Ding organisiert hatten und den Song mitgrölten. „Zum einen weil ich Alkohol nichts mehr abgewinnen kann und zum anderen, weil Sie mir gesagt hatten, dass Sie mich rauswerfen, wenn ich etwas trinken sollte“, erinnerte Smith ihn an das Ultimatum, vor dass er gestellt worden war. Eigenartig, dass der Schulleiter das nicht mehr wusste. Dabei sollte er sich so etwas doch eigentlich merken.

Apropos merken. Was war eigentlich aus dem Plan geworden? Jeder schien im Moment zu blau zu sein, um irgendwelche Pläne verfolgen zu können. Also war die Ablenkung ziemlich schief gegangen. Oder vielleicht doch nicht?

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