20. Dezember

Auch wenn niemand groß Lust hatte, diesem Freitag dem Unterricht beizuwohnen, mussten sie da doch alle so gut es ging durch. Nicht einmal die Lehrer hatten groß Bock, wollten sie sich doch eher im kleinem Kreise zusammensetzen und über gewisse Dinge plaudern.

MacNamara hatte lange über dem Haarbüschel gebrütet, dass wohl bei ihrem Kollegen für einen Allergieausbruch sorgte und hatte nachgedacht, wen sie wohl um Hilfe bitten könnte, um die Tierart ausfindig machen zu können. Tatsächlich fiel ihr nur eine Person ein, die so tierlieb war, dass sie an ein paar Haaren erkennen könnte, was es für ein Wesen war.

Tatsächlich war Jalice Russle eine der wenigen, die kein Mitglied der selbsternannten Armee war, sodass die Kräuterhexe auch wenig Bedenken dabei hatte, mit ihrem Anliegen zu ihr zu kommen. Irgendwie konnte es ja doch sein, dass irgendjemand Dumbledore steckte, dass sie da gegen ihn ermittelten. Dann wären die Jobs von mindestens drei Professoren wieder frei. Und wer wollte das schon?

Es dauerte nicht lange, da hatte die Slytherin auch schon eine Lösung parat. „Ziegenhaare. Scheint wohl vom Schwanz abgerissen zu sein, das arme Tier!“, meinte das Mädchen entsetzt, „oder haben Sie das abgerissen?“ Entsetzen breitete sich auf dem Gesicht des Mädchens aus, doch die Professorin verneinte sofort. „Okay … ich wusste gar nicht, dass im Schloss Ziegen sind“, fügte die Schülerin noch verwundert an. Aber wenn es schon Hühner und Hähne hier gab, dann waren Ziegen wohl auch nicht so außergewöhnlich. Bei dem Sturm draußen sollte es auch nicht so verwunderlich sein, dass man Tiere hier reingeschafft hatte.

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„Warum gerade Ziegen?“, fragte Lestrange und dachte nach. „Zumindest würde das die Abdrücke und die seltsamen Erscheinungen endlich erklären“, schlussfolgerte Katelyn und dachte dabei an die Erzählungen ihres Sohnes. Also doch kein Teufelswerk, dass hier stattfand. Nur eine einfache kleine Ziege, die sich einen Spaß mit den Schülern erlaubt hatte. Aber Moment. Eine Ziege war ein Tier, wie sollte die allein so etwas zustande gebracht haben? Irgendwie musste Dumbledore dahinter stecken. Also blieb immer noch die größte Frage überhaupt übrig: Wie hing das alles mit Dumbledores Verhalten zusammen?

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Aber die beiden Kolleginnen waren nicht die einzigen, die sich zusammengetan hatten, um mit einer der Fraktionen zusammen zu arbeiten. Auch der Gegenpart hatte Unterstützer, auch wenn die nicht ganz damit einverstanden waren, was Dutton den Kindern so alles eintrichterte. Sogar Twyla ging es manchmal ein bisschen zu zweit. Natürlich war sie noch eine Verfechterin der alten Schule wenn es um reines Blut ging, allerdings fand sie, dass es langsam tatsächlich zu weit ging.

Jedoch wagte sie es nicht, es laut auszusprechen. Ebenso wenig wie Farrell und Rosalyn Frost, die ebenso zusammengekommen waren, um einem Treffen der DA beizuwohnen. Der einzige, der nicht da war, war Dumbledore selbst. Daher war es wohl kaum ein Wunder, dass innerhalb der Reihen dieser Gruppe bereits stimmen laut wurden, die nach Umbenennung schrien. Schließlich konnte man das D für Dumbledore auch einfach zu einem D für Dutton machen, was im Moment passender war, denn für heute hatte der kleine Professor den Vorsitz übernommen.

„Du meinst also, dass Professor MacNamara mit ihr gesprochen hat, wegen ein paar Tierhaaren?“, fragte er noch einmal nach, was Benjamin Avery ihm gerade berichtet hatte. Der Junge nickte heftig. Jetzt, wo er es noch einmal wiederholt hatte, klang es tatsächlich sehr bescheuert, darüber auch nur ein Wort verloren zu haben, aber da Jalice nicht in ihren Reihen aufgenommen worden war, musste man sie im Auge behalten. Wer wusste schon, ob das nicht der Code für irgendwas Unanständiges war. Man hörte ja schon Munkeln, dass sich etwas zusammenbraute.

Tatsächlich schien es Dutton aber doch recht nahe zu gehen. Seine Miene verzog sich kurz und irgendetwas daran ließ Benjamin kurz zurückschrecken. Würde man ihn jedoch fragen, woran das lag, könnte er es gar nicht benennen. Irgendetwas lag einfach an dem Professor, dass einem Angst bereiten konnte in letzter Zeit. „Hört mir zu. Ihr müsst eure Mitschüler und auch eure Lehrer besser im Auge behalten. Das gilt auch für euch: Findet heraus, was eure Kollegen planen“, befahl er am Ende den Lehrern, auf deren Loyalität er zählte. Dabei wussten manche von ihnen nicht einmal, wieso sie sich darauf eingelassen hatten. Sie wollten zuerst nur dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten wurden, manche von ihnen gefiel der Gedanke, dass Reinblüter wieder zur Elite werden würden. Aber das jetzt ging doch etwas zu weit. Aber niemand wagte es, etwas zu sagen, also nickten sie nur.

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Währenddessen war Dumbledore allein in seinem Büro, hantierte mit seinem Zauberstab herum und schien die Ziege zu analysieren, die er in einer geheimen Kammer in seinem Büro versteckt hielt. „Das kann doch nicht sein“, murmelte er dabei immer wieder. Ihm war der rote Schein in Duttons Augen nicht entgangen. Etwas, was er zuvor an dem Tier vor ihm wahrgenommen hatte, das nun aber weg war. Als er die Ziege eingesperrt hatte, konnte er jedoch schwören, dass sie noch besessen gewesen war, doch jetzt war es ein vollkommen normales Tier, das ihn da anblöckte. All der Aufwand und all der Ärger, den er bisher durchstehen musste, schienen umsonst gewesen zu sein.

Wütend hieb er mit der Faust gegen die Wand, von der ein bisschen Farbe absplitterte. Die Ziege zuckte natürlich ängstlich zusammen und wich zurück. „Tut mir leid“, entschuldigte er sich und näherte sich, nachdem er sich beruhigt hatte, dem armen Wesen um es los zu binden und in die Arme zu nehmen. Es war im Moment einfach alles ein bisschen frustrierend. Vor allem da nichts so klappte, wie er erhofft und geplant hatte.

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Um ihre Kollegen besser im Auge behalten zu können, hatte Twyla einen ziemlich guten Einfall gehabt. „Wieso machen wir nicht wieder einmal eine Weihnachtsfeier innerhalb des Kollegiums. Ein bisschen Party und Weihnachten würde uns bestimmt nicht schaden“, flötete sie fröhlich vor sich hin, ehe ihre Miene ernst und eisern wurde, „und ganz nebenbei füllen wir sie ab und quetschen sie aus.“ Farrell war natürlich Feuer und Flamme für den Plan, auch wenn er sich ein bisschen erschreckt hatte. Er hätte nicht erwartet, dass seine betagte Kollegin von der netten Omi zur bösartigen Ränkeschmiedin in ungefähr einer Hunderstelsekunde wechseln konnte. Das hätte er ihr tatsächlich nicht zugetraut.

Doch nicht nur die beiden machten sich daran, etwas zu planen. Auch Katleyn hatte einen ähnlichen Einfall. Sie wollte unbedingt herausfinden, was es mit der Ziege auf sich hatte, und wollte für Ablenkung sorgen, damit sie und Victoria ins Schulleiterbüro einsteigen konnten. Ihr kam dabei ein ähnlicher Einfall: Eine kleine Sause, bei der die Lehrer sich amüsieren konnten, während die Schüler ohnehin schon alle in ihren Betten waren.

Nun stellte sich einem doch wohl die Frage, welche der beiden Fraktionen dabei erfolgreich in ihrem Vorhaben sein würde.

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