19. Dezember

Der Unterricht in Muggelkunde wurde immer seltsamer. Mal davon abgesehen, dass man nun jeden Tag eine oder zwei Stunden dieses Faches reingequetscht hatte. Auch für Schüler, die es eigentlich nicht gewählt hatten und die noch zu jung für Wahlfächer waren. Somit herrschte haltloses Chaos, denn plötzlich war der Meinung, dass es wohl nichts ausmachte, wenn auch die jüngeren Unterstüfler sich bereits Wahlfächer nahmen und manche älteren Schüler der Meinung waren, dass es doch ganz easy war, einfach alle Wahlfächer zu belegen! Was bedeuteten schon Vorschriften oder Regeln? Alles war möglich solange man wild war. Oder so. Zumindest schien sich niemand mehr für die Schulordnung zu interessieren, obwohl gerade die Anhänger von Dutton und Dumbledore sehr für den Einhalt der Regeln waren, aber das schien ihnen wohl oder übel egal zu sein. Aber kaum war eine Schuluniform nicht akkurat oder jemand nieste oder gähnte im falschen Moment, bekam er sofort Punkte abgezogen und Nachsitzen.

Natürlich war das, laut mancher Unterstützter der beiden oben genannten Lehrer, etwas vollkommen anderes. Bei dem einen ging es um Bildung und die war wichtig und das andere tat einfach nur im Auge weh und gehörte eliminiert. Sie selbst machten dabei natürlich kaum bis keine Fehler, weil sie ja durch das Abzeichen vollkommen makellos geworden waren. Manche behaupteten sogar, dass sie seit dem Beitritt dieser Gruppe sogar keine Pickel mehr bekommen hatten. It`s magic!

Dabei lag da gar keine Magie dahinter, sondern einfach nur Psychologie. Und das in seiner einfachsten Form. Schon immer war es ein Einfaches gewesen, Menschen gegeneinander auszuspielen, wenn man gewisse begünstigte und die anderen als die bösen darstellte, die diese Gunst wieder wegnehmen konnten. Dutton war ziemlich stolz auf sich, dass er es geschafft hatte, den begonnenen Bruch zwischen der Schülerschaft noch mehr zu vertiefen und einen Hauch von Radikalismus einzufügen. Erst das machte die Sache wunderbar perfekt.

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Tatsächlich saß der alte Mann am Ende des Schultages ziemlich glücklich auf seinem Stuhl in der großen Halle. Seit seiner Widerkehr hatte er den Platz direkt neben Dumbledore eingenommen, wo normalerweise eigentlich der Stellvertretende Schulleiter saß, also Smith. Diese Änderung ließ natürlich die Gerüchte aufkommen, dass der kleine Professor nun wohl den Posten eingenommen haben musste, was viele nur begrüßen würden. Schließlich hätte das Schloss dann eine starke Spitze, der man vertrauen konnte, dass sie die Schule und seine Schüler zu wahrer Größe führen könnten. Da John allerdings nie ein Schreiben in dieser Richtung erhalten hatte, wusste er nicht so ganz, woran er gerade war und wagte es auch nicht, nachzufragen.

Am Lehrertisch war es auch ziemlich still. Der eine Teil stocherte in seinem Essen und der andere war bemüht schnell aufzuessen, um möglichst schnell von dieser seltsamen Situation wegzukommen. Daher entging fast jedem, was gerade am Fuße der Haustische vor sich ging, hätte Dutton nicht ein amüsiertes Glucksen von sich gegeben. „Ist es nicht allerliebst, wenn sich Probleme von alleine lösen?“, meinte er mysteriös, was natürlich ein paar Kollegen dazu veranlasste aufzublicken. Am Ende des Slytehrinstisch hatte sich eine Ansammlung gebildet. Jemand hatte Amy zu Boden geschubst, und ein paar Mitglieder des geheimen Duellierclubs waren ihr zur Seite gesprungen um ihr zu helfen. Natürlich standen die Zeichen nun darauf, dass es einen Kampf gegeben könnte, oder es anders eskalierte.

„Na klasse …“, murrte Smith, schob den Stuhl nach hinten und wollte aufstehen. Doch plötzlich griff eine Hand nach seinem Arm und hielt ihn fest. „Wenn Sie jetzt aufstehen und da runtergehen, können Sie ihre Koffer packen“, erklärte Dutton ihm so nebenbei als würde er übers Wetter sprechen. Smith schluckte und rührte sich natürlich keinen Zentimeter war. War da gerade etwas Rotes in den Augen des Kollegen aufgeblitzt? Irgendetwas trug dazu bei, dass es John eiskalt den Rücken hinab lief.

„Aber werter Kollege! Die Schüler könnten sich gegenseitig verletzen, dass dürfen wir nicht zulassen!“, protestierte Lestrange und auch MacNamara war ihrer Meinung. Eigentlich waren alle Lehrerinnen und Lehrer dieser Meinung, doch Dutton blieb bei seinen Worten. „Wer sich einmischt, verliert seinen Job“, wiederholte er. Dumbledore sagte zu all dem nichts, sein starrer Blick hing an dem kleineren Kollegen, ehe er sich abwandte und der immer mehr anwachsenden Schülerschar dabei zu sah, wie sie immer mehr stritten.

Glücklicherweise gelang es Zehra sich in die Mitte des Geschehens zu drängeln. „Bitte, vergesst doch nicht, dass bald Weihnachten ist! Das Fest der Liebe und des Friedens! Wir sollten uns auch so verhalten!“, erklärte sie ihren Mitschülern und schaffte es, auch Haley und Helena dazu zu animieren, es ihr gleich zu tun und sich zwischen die Fronten zu stellen. Schon bald waren es einige Hufflepuffs, die eine Barriere zwischen den Fronten errichteten und es schafften den Tumult aufzulösen.

Was Dutton natürlich gar nicht gefiel. „Lestrange und MacNamara, Sie beiden leiten das Nachsitzen für diese Querulanten. Alle Dachsen bekommen heute Ausgehverbot.“ Nachdem er dies gesagt hatte, erhob sich der Professor und rauschte aus der Halle. „Ausgehverbot“, wiederholte Blackford glucksend, „als ob man irgendwohin ausgehen könnte, bei dem Schnee da draußen. Der Typ hat Humor!“ Dem pflichtete allerdings niemand bei.

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Währenddessen liefen die Vorbereitungen für die nächste große Reinbluthochzeit schon auf vollen Touren. Man hatte noch am Vortag allerlei Eulen verschickt, die an die Zeitungen gingen, um eine Annonce zu platzieren. Bei der Hexenwoche schafften sie es sogar auf die heutige Titelseite. „Hübscher Junggeselle kommt unter die Haube. Lesen Sie mehr auf Seite 5“, las Christian laut vor und sah zu dem Pärchen auf. Nirgendwo war mehr von der Situation in Hogwarts zu lesen. „Das ist perfekt. Niemanden interessiert mehr das eingeschneite Schloss. Die Idee war wirklich gut, super dass mir das noch eingefallen ist!“, lobte er sich selbst und kritzelte dann wieder auf einem Pergament herum.

„Reicht das dann als Ablenkung? Ich meine … wir müssen nicht wirklich heiraten, oder?“, fragte JT besorgt, und lächelte entschuldigend seiner Angebeteten zu. Nicht, dass er nicht wollen würde, aber es war zu früh um sich schon zu binden.

„Natürlich müsst ihr wirklich heiraten! Ich habe schon die nötigen Unterlagen zusammengesucht, die ich unterzeichnen muss, um Trauungen durchführen zu können. Alternativ hätten wir auch einen Seemann im Ort, aber ich glaub es kommt besser, wenn ich die Zeremonie abhalte!“ Außerdem wollte er wieder mit guten Schlagzeilen auftrumpfen. Da kam sowas wie gelegen.

Während vor JTs innerem Auge erneut sein Leben an ihm vorbeizog, war Kijada ganz aus dem Häuschen. „Wenn das so ist, muss ich mich um ein Kleid kümmern. Und um meine Haare. Und Make-Up! Oh es ist noch so viel zu tun“, meinte sie, küsste ihren Zukünftigen auf die Wange und lief schnell davon.

„Womit habe ich das verdient? Dient es wenigstens dem Plan des Lords?“, wollte der Donovan wissen, nachdem sie allein im Büro des Ministers standen. Er wollte antworten, wenn er schon soweit gehen musste. „Und warum heiraten Sie nicht?“

Christian setzte den letzten Strich auf das Pergament und schob es dann zu Seite, damit er die Beine hochlegen konnte. „Nun, der Plan des dunklen Lords sieht vor, dass das Schloss ungestört bleiben soll und so eine Ablenkung ist gut dafür. Ihr beide seit perfekt dafür. Der Playboy, der schon zig Freundinnen hatte und das junge Fräulein, das schon jung zur Klanführerin wurde. Dagegen stinken Isabella und ich doch ab. Vor allem aber wäre es wieder eine Möglichkeit um auf das Schloss hinzuweisen, weil Isas Adoptivbalg da oben festsitzt. Verstehst du?“

Ja, das leuchtete sogar einem Menschen wie JT ein. „Und wenn alles so läuft wie geplant, bekommst du dein Mal!“ Na bitte, dass hätte er auch gleich sagen können! Damit war er einverstanden. Dass er sich damit aber doppelt an etwas sehr Festes band, das man kaum wieder lösen konnte, war dem Dunkelhaarigen nicht klar. Aber er war auch nie mit viel Gehirn gesegnet worden.

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