18. Dezember

Bestimmt fragt ihr euch, was aus den dunklen Flecken auf den Handrücken der Schüler geworden ist. Nun, die waren mittlerweile wieder verblasst. Tatsächlich schienen sie so schnell verschwunden zu sein, wie sie aufgetaucht waren. Auch von dem seltsamen Wesen, dass sie heimgesucht hatte, war keine Spur mehr zu finden. Aus diesem Grund schlief auch Caiden langsam wieder in seinem Bett im Gemeinschaftsraum und nicht mehr bei seiner Mama. Das war natürlich eine Wohltat für die Kräuterhexe, denn ihr Sohn war schon ziemlich groß geworden und das Bett in ihren Räumlichkeiten war nicht sonderlich groß. Eigentlich hatte sie ja genauso gut auf der Couch schlafen können, oder ihn dahin verweisen, aber der Junge wollte einfach ganz nah bei seiner Mami sein, da er sich nur so am sichersten fühlte. Jetzt schien jedoch alle Angst verflogen zu sein, auch wenn noch immer nicht geklärt war, was es mit diesen Ziegensymbolen auf sich hatte und der Gruselatmosphäre. Den Teufel gab es ja nicht, also konnte man das getrost ausschließen.

 

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Zumindest gab es den Teufel nicht in dem Sinne, in man ihn sich vorstellen würde und er in der Welt der Muggel vorkam. Dutton, der kleine Muggelkundeprofessor, hatte sich von seinen Strapazen erholt, obwohl er eigentlich nicht wirklich etwas mitbekommen hatte. Er war nur verwirrt in einem dunklen Raum aufgewacht, und war herumgeirrt, bis er endlich einen Ausgang gefunden hatte. Glücklicherweise hatten John und Victoria ihn zuvor von seinen Fesseln befreit gehabt, denn ansonsten würde er wohl immer noch in der Dunkelheit liegen und um Hilfe rufen.

Irgendetwas an dem Mann wirkte jedoch anders. Früher war sein Gang fast federnd gewesen, jetzt jedoch wirkte er eisern, fast kalt. Zielstrebig lief er auf sein Klassenzimmer zu und stellte sich neben dir Türe, damit er sie auf die Sekunde genau schließen konnte. Jeder, der nun erst das Klassenzimmer betrat bekam einen Vermerk und musste nachsitzen. Natürlich waren all jene, die in Dumbledores Armee waren und das Fach belegt hatten, längst artig im Klassenzimmer und warteten gespannt auf den Beginn der Stunde. Es war auch kein Wunder, dass die andren, die nebenbei im heimlichen Duellierclub waren – der wohlgemerkt immer noch keinen Namen hatte, weil man immer noch zwischen HD, Protego Horribilis und die Anti-Armee schwankte – erst jetzt ins Klassenzimmer kamen und die Tür erstmal öffnen mussten, um reinzukommen.

Mit einem genervten „Zu spät“ wurden sie alle begrüßt und durften anschließend ihre Plätze einnehmen. „Nun, heute sprechen wir darüber, wie gefährlich Muggel und ihre Spielzeuge wirklich sind“, begann der Professor nun seine Stunde, und ein lautes Raunen ging durch die Klasse. „Buh, das ist doch kacke!“, erklärte Joe. Noch ehe sie sich versah, war Dutton schon bei ihr und hielt ihr den Zauberstab an die Kehle. „Was haben Sie gesagt?“, fragte der Professor ruhig. „Ähm … nichts“, antwortete Joe und schluckte.

„Jetzt spinnt der auch noch“, murmelte weiter hinten Abby zu Olivia. War ja ne ganz tolle Sache. Wirklich.

 

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So etwas ähnliches dachte sich auch JT, als er zufällig Christian dabei erwischte, wie er eine Schneekugel nah an sein Gesicht hielt und leise etwas vor sich hin murmelte. Es war wirklich schade, dass der ehemalige Slytherin nicht die Möglichkeit gehabt hatte, das Tagebuch des Ministers lesen zu können, um zu erfahren, welche Pläne der dunkle Lord momentan verfolgte und weswegen sie hier waren. Er wusste nur, dass sie den Schein wahren mussten. Doch wozu? Die Schneemassen ließen sich unmöglich durchdringen. Sogar die Drachen, die extra angeheuert worden waren, hatten schon aufgegeben. Nur einer war ausgebüxt und in dem neu aufgekommenen Schneesturm verschwunden. Aber der war ohnehin nutzlos gewesen, da er ein Eisdrache gewesen war und das Eis nur noch dicker gemacht hatte.

Noch immer stand er vor der Tür, die einen Spalt geöffnet war, und überlegte, ob er eintreten sollte oder nicht. Vielleicht war das ja gerade einer dieser Momente, wo man jemanden nicht stören sollte. Immerhin sprach der Blonde gerade mit einer Schneekugel. Schwierig diese Situation abzuschätzen. JT hatte einmal eine Großtante, die sprach mit Löffeln, aber die war auch verrückt gewesen. Also runzelte er kurz die Stirn.

„Was machst du da, so nachdenklich?“, fragte Jada, die plötzlich neben ihm stand und versuchte ebenso durch die Tür zu lugen, „was macht er da?“ Neugierig lehnte sie sich an ihrem Freund vor, stolperte ein wenig und stieß somit die Tür auf, was die beiden akündigte.

Aus Schreck hätte Kavanagh fast die Schneekugel fallen gelassen, schaffte es jedoch gerade noch sie wieder aufzufangen. „Was macht ihr beiden denn hier?“, wollte er leicht genervt wissen, ehe er den wertvollen Gegenstand auf dem Schreibtisch abstellte und diesen umrundete, um sich zu setzen.

„Ähm … also … der Prophet bittet um eine Mitteilung zur Einschätzung der Lage“, erklärte der Donovan und hielt ein Pergament hoch, dass zuvor von einer Eule gebracht worden war, „die Bevölkerung wird unruhig, weil es keine Fortschritte gibt.“ Tatsächlich sprach der Prophet auf dem Titelblatt der heutigen Ausgabe schon davon, dass der Minister machtlos schien, um Herr über diese schwierige Lage zu werden. Man sprach von Unfähigkeit und ziellosem Handeln.

„Wir müssen ihnen etwas geben, was sie von der momentanen Lage ablenkt“, schlug Jada vor. Eigentlich hatte sie vor, sich nicht einzumischen, aber da sie seit Tagen mit JT hier rumhängen musste, konnte sie sich auch einbringen. Immerhin galt es, den Minister auf seinen Posten und ihren Freund im Ministerbüro zu halten.

Kurz dachte Christian nach, rieb sich das Kinn und leckte sich über die Lippen. Eine Ablenkung. Gar keine so schlechte Idee. Nur was? Nachdenklich sah er zu den beiden auf, die vor seinem Schreibtisch standen. Da kam ihm eine Idee. „Was haltet ihr davon, Nägel mit Köpfen zu machen? Eine Reinbluthochzeit wäre genau das, was die Leute jetzt brauchen!“

„Waaaaas?“, entkam es JT sofort entsetzt. Heirat war wirklich das letzte, woran er gedacht hätte, und er wollte sich jetzt nicht auch schon binden. Das war doch gruselig. Kijada hingegen schien der Idee gar nicht so abgeneigt, war jedoch verwundert über die Reaktion ihres Freundes.

Ehe jedoch einer der beiden noch etwas sagen konnte, war Kavanagh schon aufgestanden, kam auf die beiden zu, stellte sich in ihrer Mitte und legte die Arme um ihre Schultern. „Dann ist es beschlossen. Ihr zwei Turteltäubchen werdet heiraten! Glückwunsch!“

 

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Durch die Gründung der beiden Fraktionen hatte irgendwie jeder den Blick auf das Wesentliche verloren. Noch immer tobte draußen ab und ein großer Schneesturm und sie waren allesamt eingeschneit. Es gab kein Entkommen und die Tatsache, dass gerade eine riesengroße Spaltung stattfand, machte die Sache nicht wirklich besser. Denn immerhin war man immer nur gemeinsam stark und sollte gemeinsam an einer Lösung arbeiten, um zu entkommen.

Doch selbst innerhalb der Gruppen gab es Kabeleien. Noch immer war man sich uneins, welchen Namen man wählen sollte und es drohte schon fast eine Spaltung innerhalb der Gruppe in drei weitere Gruppen. Die, mit Verstand, wollten den Vorschlag von Lestrange zustimmen, aber davon gab es ja bekanntlich in Hogwarts nicht so viele.

Es war eine schwere Entscheidung und tatsächlich hofften die Schüler, dass von den drei Lehrern, die mit ihnen in diesem Bunde waren, etwas helfen konnten. Anstatt jedoch nützlich zu sein und nachzudenken, sahen sowohl MacNamara als auch Lestrange nur angewidert zu ihrem Kollegen, der einen Niesanfall nach dem andren erlag.

„Ich dachte, Madame Pomfrey hätte gesagt, dass Sie nicht krank wären, John“, seufzte Victoria genervt und reichte ihm ein Taschentuch.

„Das stimmt schon. Sie meinte es wäre eine Allergie, aber wir wissen nicht, was der Auslöser ist, dafür reichen ihre Ressourcen grade nicht“, erklärte er schniefend und nahm das Taschentuch dankend an, ehe er es gleich benutzte.

Katelyn musterte ihren Kollegen eingehend und sah sich dann im Kerker um. Es gab keinerlei Pflanzen hier, die etwas auslösen könnten und auch sonst war kaum etwas zu finden, was irgendetwas auslösen könnte. Kalter Stein brachte keine Allergien hervor. Also zuckte sie kurz mit den Schultern und gab die Suche auf. Außerdem hatte sie ein ganz anderes anliegen und nahm somit das Gespräch von vorhin wieder auf. „Die Kinder hatten ja hier Dutton zunächst eingesperrt, bevor er verschwand. Wir haben den Ort durchsucht, aber konnten nichts finden, außer das hier“, erläuterte sie und zog das Fellbüschel aus der Tasche, um es den Kollegen zu zeigen.

Interessiert betrachtete Lestrange den Fund, konnte allerdings nichts Auffälliges feststellen. Auch Smith hatte nichts dazu zu sagen, außer ein lautes „HATSCHIII“ und ein laut, als würde er nach Luft ringen. „Alles in Ordnung mit ihnen?“, fragte die Kräuterhexe und kam etwas näher, was die Lage des Professors noch schlimmer werden ließ.

„Moment, ich glaube er ist gegen das in ihrer Hand allergisch!“, stellte Lestrange fest und nahm der Kollegin das Büschel aus der Hand, um es mal weiter weg und dann wieder näher an Smith zu halten. Tatsächlich bestätigte die Reaktion des Mannes ihre These.

„Bitte … hören … Sie … auf damit!“, protestierte dieser und rang nach Luft. Während die Frauen das Haarbüschel schnell wegpackten, zog John das kleine Fläschchen aus der Tasche, dass Pomfrey ihm geben hatte und nahm einen Schluck davon. „Was ist das für ein Vieh?“

„Das müssen wir noch rausfinden, aber so wie es aussieht scheint es in Dumbledores Büro zu sein, wenn Sie dort auch nen allergischen Anfall hatten“, mutmaßte Lestrange und dachte weiter nach. Was verbarg der alte Mann vor ihnen allen? Und wieso??

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