16. Dezember

Wider jegliche Erwartungen tauchte auch Dutton plötzlich wieder auf. Er sah ziemlich durch den Wind aus und hatte ein paar Schürfwunden, aber ansonsten sah er so aus wie immer. Dennoch hatte Madame Pomfrey sich den kleinen Professor sofort geschnappt, als er wirr in einem der Gänge herumgeirrt war. Die Schüler waren natürlich erleichtert, dass der Mann noch lebte. Natürlich waren sie nicht froh, dass er wieder frei war, aber sie waren glücklich zu wissen, dass ihm nichts Schlimmeres passiert war und sie somit kein schlechtes Gewissen zu haben brauchten. Ähnliches dachten sich auch Smith und Lestrange, die erst bei seinem Auftauchen bemerkt hatten, dass sie ihn in der Höhle der Werwölfe zurückgelassen hatten. „Kollateralschaden“, hatte Victoria es benannt, als Smith mit ihr darüber geredet hatte. Schließlich hätte es auch sie treffen können und im Prinzip hatte es ja auch gar keinen getroffen.

Anders als die andern plötzlich wieder aufgetauchten Kollegen, durfte Dutton erst einmal ausspannen. Dafür sorgte Dumbledore höchstpersönlich, was die anderen natürlich für mehr als unfair empfanden. Vor allem, da Smiths Hand immer noch eingebunden und verstaucht war (und Leeroys Auge war immerhin immer noch ziemlich angeschwollen). Es wirkte doch ziemlich seltsam, dass der Muggelkundeprofessor eine solche Sonderbehandlung bekam.

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Es war jedoch ziemlich praktisch, dass der Schulleiter bei seinem Kollegen im Krankenzimmer war. Denn noch gestern hatte das erste heimliche Treffen des heimlichen Duellierclubs stattgefunden, wo man zum Entschluss gekommen war, dass man herausfinden sollte, wieso sich Dumbledore nun so seltsam verhielt. Dabei hatten sie beschlossen, dass es wichtig war, irgendwann ins Büro einzusteigen, um dort eventuell nach Informationen zu suchen, die helfen könnten. Da bot sich das leerstehende Büro natürlich perfekt an, auch wenn sie noch keinen konkreten Plan hatten, wie sie die Sache durchziehen sollten und Smith daher so seine Bedenken hatte. Vor allem aber hatte er ein bisschen Bammel davor, sich dem Büro noch einmal zu nähern, nachdem er beim letzten Mal plötzlich verschwunden war.

Dennoch willigte er ein. Plan B, falls sie erwischt werden sollten, war nämlich ein kleiner Trick. Der Professor würde behaupten, dass er die Schüler bei etwas erwischt hatte und sie melden wollte. Plan C, und das war eher sein Favorit, war der Plan, dem Schulleiter etwas gemeinsam mit den Schülern mitteilen zu wollen. Alle hofften natürlich, dass er nicht plötzlich wieder zurückkehren würde, und sie beim Herumschnüffeln erwischen könnte.

Völlig unerwartet konnte die kleine Gruppe tatsächlich ohne Probleme an den Wasserspeiern vorbeilaufen, da die beiden den Weg freigegeben hatten und schliefen. Ziemlich bescheuert, da die zweiten Figuren die Treppe eigentlich bewachen sollten. Doch da es für sie ein Vorteil war, wollten sie nicht meckern. Einem geschenkten Gaul sah man einfach nicht ins Maul. Jedoch war dafür die Bürotür selbst verschlossen und war mit Magie nicht aufzubekommen. Glücklicherweise war Deverell mitgekommen und kannte sich beim Schlösser knacken aus. Natürlich fragte Smith nicht näher nach, wieso der Junge so etwas konnte.

Rasch traten sie alle ein und schlossen die Tür gleich wieder. Sie wollten keine Zeit verlieren und sofort loslegen. Was sich allerdings als ziemlich schwierig herausstellte. „Sag mal, wieso liegt da Stroh?“, fragte Abby verwirrt und deutete in die Ecke. Natürlich prusteten Scipio Rosier und James Edwards sofort drauf los. „Und wieso hast du die Maske auf“, scherzten die Jungen, was bei den anderen auf wenig Verständnis traf.

„Konzentriert euch bitte … *schnief* wir sollten hier keine Zeit verlieren …*schnief*… wirklich … Hatschiiii“, beendete Smith seine Bitte und stolperte ein wenig wegen des Rückstoßes. Sofort wurde ihm ein Taschentuch gereicht, was auch bitter nötig war. Seine Nase hatte begonnen zu laufen und auch seine Augen tränten ein bisschen. War das jetzt wieder diese Männergrippe?

Während der Professor also eher damit beschäftigt war, sich die Nase zu putzen und zu niesen, machten sich die anderen daran, nach etwas zu suchen, was ihnen alles erklären könnte. Leider blieben ihre Mühen ohne Erfolg. Aber es war auch schwierig nach etwas zu suchen, wenn man nicht genau wusste, wonach. Die Mission wurde also bald wieder abgebrochen, sehr zur Freude von Smith, der sich auf dem Weg zu Madame Pomfrey machte, um die Erkältung abklären zu lassen, die ihn so plötzlich befallen hatte.

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Tatsächlich war die Mission gerade noch rechtzeitig beendet worden, denn kaum waren alle wieder in Sicherheit, betrat Dumbledore auch schon seit Büro. Ganz kurz hielt er inne, sah sich um und kniff die Augen kurz zusammen. Etwas war anders. Irgendetwas war verändert worden. Denn obwohl die Schüler zuvor ganz gut aufgepasst hatten, hatten sie nicht bedacht, dass sie auch darauf achten sollten, wohin sie traten. Das Stroh auf dem Boden lag an Stellen, an die es zuvor nicht gelegen hatte. Da sein Haustier nicht anwesend war, konnte es also nicht dieses gewesen sein, dass die Unordnung veranstaltet hatte. Es musste also jemand hier gewesen sein.

Schnell eilte er zu seinem Schreibtisch, und öffnete eine Schublade, die bis eben noch verschlossen war. Darin lag ein kleiner Spiegel, anderer Krimskram, und ein Notizbuch. Nichts fehlte zum Glück. Er zog einen Schlüssel aus der Schublade und schloss sie dann wieder, ehe er sich umwandte und den Schlüssel in die Wand steckte. Eine unsichtbare Tür erschien, und ließ sich aufschließen. Dahinter schlief das Haustier ganz friedlich auf einem Haufen Stroh, angebunden mit einer Kette. „Scheinbar haben sie nicht ordentlich gesucht“, murmelte Albus und schloss die Tür wieder.

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Immer noch leicht schniefend, aber nicht mehr allzu heftig, saß Smith auf einem der Krankenbetten und ließ die Beine baumeln, während er auf Pomfreys Urteil wartete. Immer wieder glitt sein Blick zu dem Bett, in dem Dutton leise schnarchte. Neben seinem Bett standen Schokofrösche und Genesungskarten. Eigentlich eine Frechheit. Wieso bekam der verhasste Professor solche Nettigkeiten? Vorhin waren sogar noch Mitglieder von Dumbledores Armee hier gewesen, die eine Packung Pralinen vorbeigebracht hatten. John war schon kurz versucht, sie zu mopsen, aber da kam Poppy schon wieder mit einem Trank zurück. „Also, Erkältung ist es keine, nur eine Allergie. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, was der Auslöser sein sollte. Immerhin kommt hier nichts rein und nichts raus. Was haben Sie schon wieder angestellt?“

Doch anstatt darauf eine Antwort zu geben, schnappte Smith sich den Trank und sprang vom Bett. „Na dann … muss ich jetzt leider los! Danke für ihre Hilfe“, erklärte er und machte sich aus dem Staub, ehe sie noch etwas sagen konnte. Schnell schritt er Richtung Tür, vorbei an Dutton, wo er sich heimlich einen Schokofrosch krallte, bevor er weg war.

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Währenddessen hatten die heimlichen Duellierclubmitglieder sich im geheimen Partykerkerzimmer zusammengefunden, um über die Pleite zu diskutieren, dass sie in Dumbledoresbüro nichts gefunden hatten. Die Runde war mittlerweile ein bisschen gewachsen. Neben Lestrange befand sich nun auch MacNamra in der Runde, die ja zuvor schon versucht hatte, etwas herauszubekommen. Sie hatte Leeroy mit seiner Spürnase mitgebracht, der allerdings nicht sonderlich erfreut darüber war, dass er sich irgendwelchen Regeln widersetzen sollte. Da er nicht zu den DAs gehörte, hatten ihn die Mitglieder dieser Truppe ohnehin ständig im Auge. Wie konnte man als Slytherin schließlich nicht das Bestreben nach dieser Macht haben?

Mittlerweile waren sie schon ein ziemlich bunter Haufen. Keiner von den Anwesenden konnten Dumbledores Handlungen nachvollziehen und waren obendrein alles andere als damit einverstanden, wie der Professor sich im Moment verhielt. Doch auch wenn sie wussten, wofür sei einstehen sollten, hatten sie noch immer etwas Wichtigeres zu klären.

„Und wie sollen wir uns nennen? Das Inquisitionskommando?“, scherzte Arya. Immerhin hatten die anderen auch einen Namen geklaut und verdreht. Wieso sollten sie das nicht auch tun? „Ich meine … immerhin könnte Dumbledore besessen sein und wir wollen ihm den Teufel austreiben!“ Bei dem Wort Teufel schauderten ein paar Mitschüler und dachten zurück an die verhängnisvolle Nacht, die sie hinter sich hatten.

„Ich weiß ja nicht. Wie wärs mit Lestranges Armee … oder Smiths Armee? Aber das ist so abgedroschen mit der Armee …“, seufzte Joe und kratzte sich am Kinn. Sie brauchten den ultimativ coolsten Namen überhaupt!

„Die Drei Engel für Smith, plus Anhang!“, schlug Niamh schelmisch grinsend vor, doch der Name fand keinen Anklang.

„Brauchen wir überhaupt nen Namen?“, wollte Caiden wissen und zuckte mit den Schultern, als man ihm böse Blicke zuwarf. Natürlich brauchte man einen Namen! Alle großartigen Dinge hatten Namen!

„Wieso belassen wir es nicht beim einfachsten: HD. Heimlicher Duellierclub. Könnts auch mit HDC abkürzen, wenn ihr wollt“, meinte Abby.

„Oder aber …“, ergriff Victoria das Wort, was sofort alle verstummen ließ und ihr somit jegliche Aufmerksamkeit zuteil wurde, „wir nennen uns Protego Horribilis.“ Eigentlich hatte sie vorgehabt, eine coole Erwachsenengang zu gründen, die gegen Voldemort und Co kämpfte, die sie so nennen wollte. Aber bevor die Kinder jetzt noch weitere kostbare Zeit vergeudeten, warf sie diesen Namen mal kurz ein.

Tatsächlich waren sie schon ein paar Minuten still und dachten nach. Doch nicht lange, da begann schon wieder jeder durcheinander zu plaudern und mit neuen Ideen um sich zu werfen. Die beiden erwachsenen Frauen seufzten. Eigentlich sollte man als Lehrer erkennen, wieso es Unklug war, selbst Kinder in die Welt zu setzen, aber sie beiden hatten ja bereits welche … und diese diskutierte schon munter in diesem Haufen mit.

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