15. Dezember

In dem kleinen Dörfchen Hogsmeade war immer noch keine Ruhe eingekehrt. Man wollte unbedingt die Schüler und die Lehrer befreien, koste es, was es wollte. Daher hatte der Minister auch ein paar gezähmte Drachen organisiert, die versuchten von oben die Schneemassen durch Feuer zu minimieren. Der Erfolg war nach wie vor nur mäßig, aber damit hatte Kavanagh schon gerechnet, immerhin wusste er, dass der Schnee mehr als nur ein bisschen verflucht war. Um seine Deckung allerdings nicht aufzugeben, gab er sich unwissend, fieberte mit den Bewohnern des Ortes mit, wenn sie neue Dinge ausprobierten, um Herr der Lage zu werden. Innerlich amüsierte er sich prächtig darüber, wie sehr die Hexen und Zauberer versagten und die Verzweiflung langsam größer wurde. Am schönsten für ihn war es, als ein paar Menschen in Tränen ausbrachen, weil sie langsam alle an diesem unüberwindbaren Problem zerbrachen.

Zuhause wollte er von all dem allerdings seine Ruhe haben, was sich jedoch als schwierig herausstellte. Isabella verlor ebenso langsam die Nerven, weil ihr Kolkrabe nicht mit einer Nachricht zurückgekommen war. Entweder war der Vogel verloren gegangen, oder er konnte das Schloss nicht erreichen. Was, wenn etwas passiert war? Nur der Gedanke daran, dass sie ihr zweites Kind noch versorgen musste und als Freundin des Ministers kein Häufchen Elend sein sollte, hielten sie bei Verstand und davon ab, eine Klettertour zu starten, um über diese Schnee und Eismauer zu kommen.

Der Anblick des Babys in der Wiege hatte tatsächlich etwas sehr beruhigendes auf sie. Entweder das, oder der Beruhigungstrank, den Christian heimlich in ihren Tee gekippt hatte, zeigte erstaunlich schnell Wirkung. Vorsichtig trat er an die Rothaarige heran, die vor dem Kinderbettchen stand und wollte die Arme um sie legen, als er merkte, dass Colin mit etwas spielte, das nichts in den Händen eines Kleinkindes verloren hatte. „Wo hat er denn die Schneekugel her?“, fragte der Blonde und versuchte so ruhig wie möglich zu bleiben, auch wenn er innerlich tobte.

„Die habe ich im Arbeitszimmer gefunden und dachte mir, dass es ein hübsches Spielzeug wäre. Gehört sie dir?“ Isabella wandte sich ihrem Freund zu und küsste ihn auf die Wange, um zu verhindern, dass er sauer sein könnte. Er nickte nur langsam. „Wo hast du sie denn her?“, wollte sie weiter wissen.

„Das war ein Geschenk … nein, die hab ich geerbt!“, schoss es plötzlich aus ihm heraus, ehe er sich räusperte und kurz nachdachte, „von meiner Großmutter, sie hat mir die Kugel geschenkt als ich noch klein war.“ Natürlich war das gelogen, aber was sollte er sonst machen? Er konnte wohl kaum die Wahrheit über die Schneekugel erzählen, die Colin da munter vor sich hin schüttelte. Eigentlich wurde ihm schon schlecht dabei, wenn er zusah, wie sie herumgewirbelt wurde. Am Ende würde sie noch kaputt gehen und dann würde nicht nur das Kleinkind Ärger bekommen. Jedoch wagte er es nicht, sie dem Baby zu entreißen. Er wollte nicht, dass das Balg zu heulen begann.

Daher war es, zu seiner großen Überraschung, Isabella, die ihrem Sohn das Spielzeug wieder abnahm und ihm eine Rassel in die Hand drückte. „Es klingt fast so, als ob sie dir ziemlich wichtig wäre. Tut mir leid, dass ich sie einfach so an mich genommen habe“, entschuldigte sie sich lächelnd und reichte ihm die Schneekugel. Christian war immer wieder erstaunt darüber, wie feinfühlig manche Menschen doch sein konnten. Und dennoch fiel sie auf seine Scharade herein. Eigentlich traurig.

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„Dieses blöde Mistwetter! Jetzt fängt es wieder mehr an zu schneien und es scheint gar nicht aufzuhören!“, beschwerte sich Ava und seufzte, ehe sie sich wieder über ihre Bücher lehnte. Neben ihr brummte Lecea zustimmend, wollte aber den Kopf nicht heben. Beide saßen gemeinsam mit anderen Unterstuflern in der Großen Halle, wo sie allesamt zum Hausaufgaben machen zusammengeholt wurden. Die Aufsicht hatten natürlich alle älteren Mitglieder der DA. Die Slytherin neben der kleinen Moore war eine der wenigen Schlangen, die noch kein Abzeichen auf ihrer Uniform trug und auch nicht wirklich danach strebte eines zu erlangen. Das machte sie der Ravenclaw gegenüber noch sympathischer. Eigentlich hatte Ava sogar richtig Angst vor all den DA-Mitgliedern, die an jeder Ecke zu lauern schienen und sofort bereit waren, jeden ihrer Mitschüler wegen den kleinsten Kleinigkeiten zu verpfeifen. Erst heut Morgen hatte sie 5 Punkte abgezogen bekommen, weil ein seltsamer Slytherinjunge neben ihr geniest hatte und sie ihm kein Gesundheit gewunschen hatte. Dabei lautete Avas Devise doch, dass sie Slytherins lieber aus dem Weg ging, vor allen solchen.

Auch jetzt wurde sie mit einem mahnenden Blick bedacht, nur weil sie gerade eben noch etwas gesagt hatte. So machte das Hausaufgabenmachen doch gar keinen Spaß! Sie war eine Ravenclaw, und brauchte ganz bestimmt keine so stressige Umgebung zum Lernen. Sowas machte sie lieber in Ruhe und ungestört. Doch die DA ließ es nicht zu, auch wenn niemand wusste, ob die Order tatsächlich von Dumbledore gekommen war, das hier so aufzuziehen. Wer wusste eigentlich überhaupt noch, was Dumbledore so von sich gab und was nicht. Der alte Mann schien sich mächtig verändert zu haben.

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Das dachten sich auch Abby, Olivia und Leandra, als sie vor der verschlossenen Tür zum Duellierclub standen. Eigentlich wäre für heute ein Treffen des Clubs angesagt, worauf sie sich schon ziemlich gefreut hatten. Einfach um mal wieder Dampf ablassen zu können, doch irgendwie wurde ihnen das verwehrt. Abby wäre nicht Abby, wenn sie das nicht sofort zum Anlass nehmen würde, ohne Vorankündigung in das Büro des Professors für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu platzen. „Wieso ist der Clubraum verschlossen?“, fiel sie mit der Tür ins Haus.

Perplex starrten sowohl Smith als auch Lestrange, die wohl gerade zu Besuch war, die drei Mädchen an. „Hey, Mutter. Guten Tag, Professor Smith“, grüßte Leandra artig und fügte auch gleich eine Entschuldigung an, „Abby ließ sich nicht davon abhalten, hier reinzukrachen.“ Irgendwie war es schon Standard geworden, dass entweder Olivia oder die Slytherin für das Verhalten ihrer Freundin eine Entschuldigung parat hatte. Irgendwer musste es schließlich übernehmen.

Kurze Zeit später wurde ihnen ein Platz angeboten und sie setzten sich, während Twinky vor ihnen eine Tasse Kakao platzierte. „Wie ich Victoria“ – ja seit dem kleinen Abenteuer, sind die beiden beim Vornamen angelangt – „gerade erklärte, hat Professor Dumbledore mir ein Ultimatum gestellt: Entweder ich lasse seine Lemminge die Clubstunden überwachen oder ich schließe ihn. Alternativ hätte er mir noch angeboten, nur die Slytherins im Duellierclub zu unterrichten, aber das wollte ich überhaupt nicht.“ Glücklich darüber, dass er den Club nun schließen musste, war er überhaupt nicht, aber genauso wenig wollte er, dass andre Schüler ihn und die Clubmitglieder kontrollierten und überwachten. Das war doch kein gutes Lernumfeld!

Schweigen breitete sich aus, auch wenn Leandra sich insgeheim fragte, wieso ihre Mutter hier war. Es gab ohnehin Gerüchte, die im Umlauf waren, seit die beiden Professoren verschwunden und wieder aufgetaucht waren. Da war es nicht wirklich von Vorteil, dass sie nun hier zusammen hockten. Doch auch wenn ihr die Frage auf der Zunge brannte, war es Abby, die erneut das Wort ergriff. „Das kann doch so nicht weitergehen! Wir sollten etwas dagegen unternehmen. Ich meine … was die können, können wir auch! Wir sollten auch eine Gruppe gründen, und Feuer mit Feuer bekämpfen“, schlug sie vor und war sofort Feuer und Flammen von ihrer eigenen Idee.

„Eigentlich dachte ich, du würdest sowas vorschlagen, wie insgeheim doch mit dem Club weiter zu machen. Aber eine zweite Armee aufzustellen, empfinde ich jetzt nicht so toll“, erklärte John und schluckte. Stiller und heimlicher Widerstand war ihr um einiges lieber als so etwas. Vor allem wäre es ihm noch lieber, wenn er keinen Ärger bekommen könnte. Er blieb lieber unterm Radar.

Abby runzelte kurz die Stirn und dachte angestrengt nach. „Na gut … wir starten im Untergrund. Das macht die Sache ohnehin spannender, bevor es dann irgendwann zur Eskalation kommt. Gut, so machen wir das!“, beschloss sie einfach und sprang freudig auf, „wir werden heimlich den Duellierclub weiterführen!“

„Wenn du weiterhin so rumbrüllst, wird es nicht sonderlich geheim sein, Abby“, meinte Olivia seufzend und rieb sich kurz die Stirn, überlegend, ob sie wirklich bei der Sache mitmachen sollte. Aber so wie es aussah war es wohl schon beschlossene Sache. Auch Victoria und John sahen sich ratlos an. Ob das so ein guter Plan war? Sie hatten zwar eben noch darüber gesprochen, dass man etwas gegen Dumbledores seltsamen Sinneswandel unternehmen sollte, aber diese Aktion verhieß nicht wirklich etwas Gutes. Andererseits aber nahm diese ganze DA-Sache bereits viel zu große Ausmaße an. Jemand musste etwas dagegen tun. Aber war dies der richtige Weg?

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