14. Dezember

Das nächtliche Abenteuer der Vollmondnacht hatten natürlich alle heil überstanden, auch wenn die beiden Professoren mit einem ziemlichen Schrecken davon gekommen sind, und nur hier und da ein paar blaue Flecken aufwiesen. Die Werwölfe erinnerten sich am nächsten Tag natürlich an nichts mehr, auch wenn Leeroys Auge ziemlich blau war. Tatsächlich hatte Smith dem Wolf, der ihn angegriffen hatte, so fest eine verpasst, dass er sich selbst die Hand verstaucht hatte.

Nichts desto trotz hatte Dumbledore am Vortag verlangt, sie mögen bitte ihren Unterricht abhalten. Wobei das Wort Bitte eigentlich eher nur als Füllwort benutzt worden war, da es nicht nach einer Bitte geklungen hatte. Vor allem Smith ärgerte sich sehr darüber, da er Freitags eigentlich einen Unterrichtsfreien Tag hatte, aber nun dazu verdonnert worden war, seine Arbeit nachzuholen, die er bisher verpasst hatte. Obendrein durfte er danach auch noch das Nachsitzen der Gryffindors leiten, obwohl er eigentlich keinen Grund sah, dass er sie nachsitzen lassen sollte. Wären die Mädchen nicht aufgetaucht, dann hätten die Wölfe ein Festmahl gehabt, und würden sich am Ende nicht einmal mehr daran erinnern, dass sie ihre Lehrer verspeist hatten.

Aus diesem Grund war das Nachsitzen gestern auch eher ein freudiges Beisammensitzen bei Kakao und Keksen, außer für Jaz für die gabs Karotten und nen Tee. Eine ganz chillige Angelegenheit also. Kein Wunder also, dass das Nachsitzen am nächsten Tag daher ein paar andere Besucher hatte. Völlig verwundert darüber, dass ein Jamie Havisham und ein Benjamin Avery in der Tür standen, als sie zum Nachsitzen erschienen, kniff Joe die Augen zusammen. Bei Havisham könnte man ja noch annehmen, dass er nur zum Spannen und Schneckenchecken anwesend war, aber was machte Avery hier?

„Ah, alle viel zu spät. Das wird vermerkt und gemeldet! Das Nachsitzen hätte vor einer Minute starten müssen“, erklärte Benjamin und zückte einen kleinen Notizblock und eine Feder.

„Wie vermerkt? Und es ist keine Minute, höchstens ne Sekunde“, merkte Smith an und krempelte seinen Ärmel hoch um auf die Uhr blicken zu können. Tatschlich war er für seine Verhältnisse sogar relativ pünktlich. Für gewöhnlich kam er ja noch später.

„Professor Dumbledore hat uns angewiesen darauf zu achten, dass das Nachsitzen vorschriftsmässig stattfindet“, fügte der Havisham an und scheuchte alle in das leere Klassenzimmer, „na los dann. Sitzt mal schön nach!“

Um sich zu beschweren waren die Anwesenden viel zu perplex. Irgendwie hatte John ein Déjà-vu. Hatte es nicht schon mal eine Art Gruppe gegeben, die meinte sie würden nach dem besten Willen eines Lehrers arbeiten? Die Geschichte wiederholte sich wohl. Ob Dumbledore von einem Alien entführt und ersetzt worden war? Aber das wäre wohl zu viel an Wiederholungen.

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Die Kunde um Dumbledores Armee machte bald schon die Runde. Dumbledore selbst war ziemlich begeistert von dem Engagement der Schüler, sodass er ihnen allen einen Anstecker zu kommen ließ, der sie als Mitglieder auszeichnete. Bezeichnend war es wohl, dass es größtenteils Slytherins waren, die zu den Mitgliedern zählten. Natürlich waren alle seit der ersten Stunde dabei. Auch Lore wollte ein solches Abzeichen mit Würde tragen, doch einer der älteren Schüler wollte ihr zunächst keines zukommen lassen, weil sie nicht aktiv genug schien.

Also zog klein Lore los, um sich ihr Abzeichen zu verdienen. Dabei wirkte sie ungefähr so bedrohlich wie ein Hoppelhäschen, dass auf einen zukam, und das man knuddeln wollte. Das war eben das Problem, wenn man klein und niedlich aussah. Glücklicherweise wusste die kleine Brooks das allerdings zu ihrem Vorteil zu nutzen. Daher sah man das Unheil eigentlich nicht sofort kommen.

Die Ravenclaws, die heimlich ins Tränkeklassenzimmer schleichen wollten, um Experimente durchzuführen, waren sogar so leicht von ihr zu manipulieren, sie mitzunehmen, weil sie interessiert den Ausführungen von Aiven lauschte, der versuchte Jamie Nightowl zu mansplainen, wieso er mehr Ahnung von Zaubertränken hatte, obwohl sie mehr Erfahrung aufzuweisen hatte. Kaum waren die drei allerdings am Klassenzimmer, erklärte Lore, dass sie schnell nochmal Pippi musste, was aber nur ein Ablenkungsmanöver.

Denn anstatt wirklich auf die Toilette zu gehen, lief sie schnurstracks in Dumbledores Arme, der seinen Rundgang gerade im Kerker machte. „Sir, ich habe zu berichten, dass zwei Ravenclaws sich Zugang zum verschlossenen Klassenzimmer für Zaubertränke verschafft haben!“, erklärte sie ohne großen Umschweife und setzte dabei ihr unschuldigstes Gesicht auf.

„Das klingt alles andere als erfreulich“, murrte der Schulleiter, „führen Sie mich zu ihnen!“ Gesagt getan. Erfolgreich lieferte Lore die beiden Mitschüler ans Messer und bekam damit ihr wohlverdientes Abzeichen. Mit stolz geschwellter Brust kehrte sie in den Gemeinschaftsraum zurück, mit dem Anstecker dran, um ihn herumzuzeigen, dass sie nun doch dazu gehörte. Sie war schließlich genauso toll wie alle anderen auch.

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Diese Gruppe, die sich zusammenschloss um den Willen Dumbledores durchzusetzen schien stetig zu wachsen. Eigentlich eine Schande, wenn man bedachte, wofür der Name früher einmal gestanden hatte. Aber dem Schulleiter gefiel es so eigentlich ganz gut. Somit musste er nicht mehr überall seine Nase reinstecken und bekam dennoch alles mit. Die Schüler sorgten so von ganz alleine, dass Respekt und Ruhe einkehrten ins Schloss. Alles nötige Dinge, die es schon lange nicht mehr gegeben hatte. Hier hatte man eben nicht mehr mit eiserner Disziplin gelehrt, und das wollte er nun ändern. Hogwarts war eine Eliteschule und kein Zirkus. Bald schon würde alles wieder beim alten sein, da war er sich ziemlich sicher.

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