12. Dezember

Fröhlich pfeifend war Kijada gerade dabei, ein kleines hässliches Weihnachtsbäumchen zu schmücken, dass sie hinter der Bar gefunden hatte. Wenn sie schon hier sein musste, würde sie versuchen das Beste daraus zu machen. Natürlich hätte sie auch einfach zu Hause bleiben und sich eine schöne Zeit machen können, doch sie wollte ihren Freund nicht alleine weglassen. Nicht nur, weil sie in der vorweihnachtlichen Zeit nicht ohne ihren Freund sein wollte, sondern auch weil sie Angst hatte, dass irgend so eine Schlampe sich an ihn ranmachen würde, solange er einem Auftrag in Hogsmeade nachgehen musste.

Außerdem hatte sie gehofft, dass sie beide im Wellnesshotel am Rande des Dorfes absteigen würden, aber stattdessen fanden sie sich hier wieder, in einem alten und versifften Pub, dass zur Zeit geschlossen hatte, weil der Betreiber wohl weg war. Hier sah es nicht nur eklig aus, sondern stand auch mächtig nach Ziege, was Kijada so gar nicht gefiel. Sie hatte schon einem Hauselfen angewiesen zu putzen, doch es nützte ebenso nichts. Wenn sie hier länger bleiben müsste, würde sie danach ein langes Bad nehmen müssen, um diesen Mief wieder los zu werden. Aber was tat man nicht alles für die Liebe.

~*~*~*~

Während JT und Kijada im geschlossenen Pub einquartiert worden waren für den Zeitraum des Auftrags, hatte Christian es sich bei seiner On-Off-Freundin Isabella schick gemacht. Natürlich hatte er den anderen beiden im Pub erzählt, er würde in der Höhle außerhalb des Dorfes campieren, nur damit sie ihre Liebeshöhle haben konnten und ungestört waren. Ganz bescheiden und demütig gab er sich. So eine Masche funktionierte immer ganz gut. Wie wäre er sonst zum Minister geworden? Noch dazu hatte es ihm den Posten des obersten Todessers eingebracht, was ihm auch diese Aufgabe eingebrockt hatte. Dabei konnte er sich gerade schöneres vorstellen, als in Hogsmeade einen auf braver Bürger und besorgter Minister zu machen, der sich um das Wohl der eingeschneiten Schüler sorgte und seine Freundin trösten musste, deren Adoptivtochter ebenso oben gefangen war.

Eigentlich ging ihm das alles an seinem Knackarsch vorbei, aber für die Presse musste er natürlich seine schönste Maske aufsetzen und mitspielen. Deswegen, und weil der dunkle Lord ihn hierher geschickt hatte, nur um sicher zu gehen, dass die Lage sich nicht verbesserte. Niemand sollte aus dem Schloss raus oder auch nur hinein kommen. Für seinen Plan musste es vollkommen abgeschieden sein. Christian hatte natürlich nicht nachgefragt, wieso es so sein sollte. Als gutes Schoßhündchen wusste er, dass man keinerlei Fragen stellte. Und daran hielt er sich. Sonst wäre er ja nie Minister geworden. Natürlich hatte er dazumals angefangen, sich hochzuschlafen, aber dieses Prozedere war doch recht langwierig gewesen. So war es dann viel schneller von statten gegangen und war weniger anstrengend gewesen.

~*~*~*~

Auch wenn es ausweglos schien, hatten die Dorfbewohner doch wieder die Arbeit aufgenommen, nachdem sie im Suff beschlossen hatten, dass sie sich nicht geschlagen geben wollten. Man hatte einen Notstand ausgerufen, was auch der Grund war, wieso der Zaubereiminister ins Dorf gekommen war. Gefolgt von ein paar Journalisten und Kameras, die jeden seiner Schritte dokumentierte, traf Christian tatsächlich auch beim Tor zu Hogwarts ein, und schüttelte reihum die Hände jener, die versuchten den Weg frei zu bekommen. Dabei setzte er sein freundlichstes Lächeln auf und gab sich recht besorgt um das Wohl der Kinder.

Nur sein Sekretär wusste, dass diese Masche nur gespielt war. JT beneidete den Blonden dafür, so eine perfekte Miene zum bösen Spiel aufsetzen zu können. Auch wenn er es nicht zugeben würde, so beneidete der Donovan den älteren Todesser doch sehr. Aus diesem Grund versuchte auch er, sich sehr besorgt zu geben. Schließlich war sein Bastardbruder auch im Schloss und Kijada hatte da drin wohl auch noch Freude, die eingeschneit worden waren. Dabei konnten die alle bleiben, wo der Pfeffer wuchs, wenn es nach dem ehemaligen Slytherin ging.

„Liebe Bewohner des Dorfes“, begann Christian, nachdem er alle Hände geschüttelt hatte, und roh darüber war, dicke Handschuhe zu tragen, um die Berührungen nicht ertragen zu müssen, „es erfüllt mich mit Freude, wenn ich sehe, dass alle zusammenarbeiten und versuchen durch diese Misere zu kommen. Denn das ist das wichtigste: Zusammenhalt! Nur so bekommen wir die Zukunft der magischen Welt wieder frei und können in Frieden Weihnachten gemeinsam feiern!“ Applaus schloss seine kleine Rede ab und er bekam eine Schaufel überreicht, was natürlich mit einem Foto festgehalten wurde.

Zum Glück hatte er zuvor zugesehen, was die anderen mit diesem Werkzeug gemacht hatten, denn ansonsten hätte er nun ziemlich ratlos angefangen herauszufinden, wo unten und oben war bei diesem Ding. Nur für den Schein und um guten Willen zu zeigen, machte er sich kurzzeitig auch daran, Schnee weg zu schaufeln. Dass Magie hier nicht viel nützte, hatte man ihm schon auf dem Weg hierhin erklärt. Außerdem wusste er selbst, dass auch diese Werkzeuge nicht viel ausrichten würden, schließlich war es ein mächtiger Fluch, der für diese Schneemassen sorgte. Christian wusste über alles Bescheid, bis ins fast kleinste Detail.

~*~*~*~

Umso ratloser war man dafür immer noch im Schloss. Katlyns kleiner Ausflug ins Reich der Detektive hatte nicht viel Neues gebracht. Die Lupe, die sie sich eigens herbeigezaubert hatte, lag auch schon in der Ecke. Es war wirklich zum Verzweifeln. Schlimmer war nur die Tatsache, dass Dumbledore Wind von ihrer Exkursion bekommen hatte und es nicht als Unterricht durchgehen ließ. Da man Lehrer natürlich nicht Nachsitzen lassen konnte – oder eher nicht sollte, weil sie damit jegliche Autorität verloren, wie man am Beispiel Smith sehr gut sehen konnte – bekam sie nur eine Verwarnung. Eine weitere würde es nicht geben, denn dann könne sie schon ihre Koffer packen. Der alte Albus hätte niemals so reagiert, da war sie sich sicher.

Was die Kräuterhexe jedoch nicht wusste, war die Tatsache, dass ein paar Schüler, denen es nicht gefallen hatte, irgendwelchen unnützen Dingen nachzugehen, sie beim Schulleiter verpfiffen hatten. Tatsächlich zeigte der Zwang zum Unterricht plötzlich Wirkung. Dass Professor Dumbledore nicht mehr der alte Sack war, der Süßigkeiten verteilte und von Liebe und Freundschaft predigte, schien langsam einigen zu gefallen. Vor allem die Slytherins schienen immer begeisterter davon zu sein, vor allem da die harten Strafen des Schulleiters oft die Gryffindors trafen, die immer noch versuchten sich gegen den neuen Kurs aufzulehnen.

Obwohl der Kampf gegen den Unterrichtszwang sie zunächst noch geeinigt hatte und alle vier Häuser an einem Strang ziehen wollten, schien das mittlerweile wieder Geschichte zu sein. Natürlich gab es immer noch ein paar, die daran festhielten, doch es waren nicht mehr viele. Eigentlich war es wirklich makaber, was sich da zusammenbraute. Slytherins, die zu Dumbledore hielten und bereit waren, andre Schüler an den Schulleiter zu verpfeifen. Dumbledores Armee 2.0. Oder sollte man sie eher die Reverse Dumbledores Armee nennen? Dagegen war das Inquisitionskommando vom Umbridge dazumals einfach nur lachhaft gewesen.

~*~*~*~

Von all dem bekamen die Hauseigenen Werwölfe wenig mit. Nachdem sich MacNamara ihren Rüffel abgeholt und den Unterricht über die Bühne gebracht hatte, war sie Leeroys Bitte nachgekommen, ihn in seinem geheimen Versteck einzusperren, da ihr Kollege ja verhindert war. Auch die anderen Werwölfe waren danach zu ihr gekommen und hatten sie ihm Hilfe gebeten. Scheinbar schien sie momentan die einzige, die vertrauenserweckend genug war, um so eine Aufgabe zu übernehmen. Nur leider wusste sie nicht, wo Smith seine Schützlinge alle unterbrachte, sodass sich bald alle in dem kleinen Raum wiederfanden, der innerhalb des Schlosses gut geschützt in den Kerkern verborgen war.

Sehr angenehm war die Lage nicht, aber da sie sich ohnehin bald verwandeln würden und auch im Wald schon oft genug gemeinsam erwacht waren, wussten sie ja quasi schon, wie sie nackt aussahen. Dennoch herrschte betretenes Schweigen, als die Nacht hereinbrach und man sich dran machte, sich zu entblößen, damit die Klamotten nicht kaputt gingen. Wirklich peinlich.

~*~*~*~

Im Moment wäre John tatsächlich etwas Peinliches lieber als die Situation, in der sie sich gerade befanden. Je öfter sie sich in der Dunkelheit umher tasteten, um so sicherer war er sich, dass dieser Raum nicht sonderlich groß war. Eigentlich hatte er vorgehabt, sich mithilfe des fehlenden Lichtes einreden zu können, dass die Umgebung riesengroß war, aber das wurde zunehmend schwierig. Was aber nicht hieß, dass er deswegen nicht dennoch versuchte, sich zusammen zu reißen, schließlich hatte seine Kollegin ohnehin schon eine ziemlich schlechte Meinung von ihm, und die wollte er nicht noch weiter bestärken. Also durfte er nicht in Panik ausbrechen und musste das tun, was man sich von jemanden wie ihn erwartete: seinen Mann stehen. Dass es ziemlich sexistisch war, sich von jemanden mit einem y-Chromosom zu erwarten, dass er deswegen mutiger war und weniger leicht in Panik ausbrach, kehrte man natürlich unter den Teppich.

„Das hat doch alles keinen Sinn“, seufzte Lestrange irgendwann und ließ sich der Wand entlang nach unten gleiten, „die Frage ist nur, wer uns hier eingesperrt hat. Der neue durchgeknallte Dumbledore, oder die Schüler, die meinen sie wären lustig.“ Eigentlich hatte sie schon einen bestimmten in Verdacht, der schon ziemlich seltsame Schmuddelgeschichten über die beiden Professoren verfasst hatte, aber der war wohl nicht schlau genug, tatsächlich so etwas durchzuziehen.

„Wir dürfen nur nicht aufgeben“, versuchte Smith sie irgendwie aufzumuntern und war ganz froh darüber, dass man seinen unglaubwürdigen Gesichtsausdruck nicht sehen konnte. Immerhin war die Lage mittlerweile gar nicht mehr so witzig, was sie ohnehin schon von Beginn an nie gewesen war. Langsam bekamen sie beiden Hunger und Durst und die kalte, leicht feuchte Luft, kroch ihnen bis in die Knochen. Wenn er wenigstens seinen Trenchcoat bei sich hätte. Aber vielleicht lag sein Mantel ja doch irgendwo. Sie hatten bisher nur die Wände abgetastet, aber nie versucht zu erkunden, was sich in der Mitte befand.

Also machte er sich dazu auf. Bis auf die Säcke, die ihnen über die Köpfe gezogen worden waren, und den Seilen, mit denen man sie gefesselt hatte, konnte er zunächst nicht wirklich etwas ausmachen. Völlig frustriert, da nun auch die letzte Hoffnung gestorben war, wollte er an die Stelle zurückkehren, an der er Victoria vermutete, als sein Fuß plötzlich wo hängen blieb und er das Gleichgewicht verlor. „Verdammte Hippogreifscheiße“, begann er sofort los zu fluchen, und versuchte sich zu befreien. ER war unsanft halb auf etwas gelandet und halb auf dem Boden aufgeschlagen. „Irgendwas liegt hier …“, versuchte er zu erklären, obwohl er nicht wusste, ob seine Kollegin seinen Sturz überhaupt mitbekommen hatte.

Vorsichtig tastete er umher, und wäre nun sicherlich ziemlich blass geworden, wenn man es hätte sehen können. „Scheiße, hier liegt noch jemand!“ Sofort machte er sich daran, den Gefesselten zu befreien und wach zu rütteln. Wenn sie hier schon länger mit einer Leiche zusammen gewesen wären, hätte man es gewiss schon gerochen, da war er sich sicher. Doch der Gefundene ließ sich nicht wachrütteln.

„Wer ist es?“, fragte Victoria und versuchte sich in der Dunkelheit zu nähern. „Ich hab keine Ahnung. Kurze Haare, recht gleich und Bart“, ertastete Smith und verpasste dem Bewusstlosen eine Ohrfeige, in der Hoffnung sie würde ihn aufwecken. Vergebens. „Wacht nicht auf, hat aber einen Puls“, schloss er seine Beschreibung ab. Lestrange dachte nur kurz nach. „Davon ausgehend, dass wir noch im Schloss sein könnten, könnte es Dutton sein …“, meinte sie und war auch endlich bei den anderen angekommen, wo sie versuchte den vermuteten Kollegen zu wecken. Da dies jedoch nicht funktionierte, begann sie damit, seine Taschen zu untersuchen, in der Hoffnung, dass zumindest er seinen Zauberstab noch hatte. Doch leider brachte auch dies keinen Erfolg.

Als wäre der Fund des kleinen Mannes ein Trigger, der ein jedes Videospiel voranbringen würde, erhellte plötzlich eine kleine Lichtquelle den Raum und veranlasste die beiden nach oben zu sehen. Ganz weit oben schien eine Art Fenster, oder zumindest ein kleines Loch zu sein, durch das der Schein des Mondes fiel, und auf das gegenüberliegende Stückchen Wand erhellte, wo plötzlich eine kleine Lucke erschien. Ein Ausweg?

Nach oben