11. Dezember

Wie man gegen die Schneeflut angehen sollte, beschäftigte dies Tage sowohl die Bewohner des Dorfes, als auch die des Schlosses. Schließlich wollten die einen dagegen vorgehen, noch mehr Einbußen zu haben und die anderen wollten einfach dem Schulalltag entfliehen. Doch da sie einen gesamten Tag verschlafen hatten und auch am nächsten nicht wirklich zu gebrauchen waren. Die Nebenwirkungen der Trankbombe, die sie alle eigentlich hätte befreien sollen, hingen ihnen auch heute noch nach. Doch Dumbledore ließ keine Milde mehr walten, sondern verdonnert alle dazu, die verschlafenen Stunden sogar nachzuholen. Schließlich wollte er am 24. Dezember eine große Prüfung abhalten, die darüber entscheiden sollte, ob die Schüler weiterhin in ihren Klassen verbleiben konnten, oder zurückgestuft werden sollten. Am Ende würde aus Hogwarts vermutlich noch eine Sonderschule werden, weil er alle für faul oder gar dumm erachtete. Dass dies nicht allen schmeckte, war wohl logischerweise zu erwarten. Dabei gab es jedoch tatsächlich auch Schüler, die der Meinung waren, dass sie dann eben nicht mehr so viel lernen mussten, wenn sie ein Jahr noch einmal machen mussten. Man musste wohl nicht raten, dass es sich dabei um die faulen Exemplare handelte.

Mit einer großen Sonnenbrille auf der Nase, und halb schlafend, saß Farrell in seinem Stuhl und hatte den Schülern angewiesen zur Strafe ein paar Seiten aus dem Buch abzuschreiben und dabei leise zu sein. Es war immerhin eine Schande, dass seine Schüler einen Trank so verkackt hatten, dass er die gesamte Schule auf die Matte geschickt hatte, auch wenn es eher Blackfords Kreation gewesen war. Aber er duldete so etwas nicht. Außerdem fühlte er sich schlimmer als nach seinem letzten Hangover, also wollte er erstmal etwas ausspannen, und da war sowas als Strafe ganz gut.

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Während der Tränkemeister also versuchte wieder fit zu werden, waren seine Kollegen tatsächlich dabei, ihren Job zu machen. Mehr oder weniger. Denn MacNamara nutzte die Zeit ganz anders. Nützlicher, wie sie fand.

„Okay, was haben wir sonst noch? Verschwundene Lehrer, hohe Schneemaßen, seltsame Begebenheiten und Zeichen, einen Schulleiter, der sich seltsam verhält. Habe ich etwas vergessen?“, fragte sie nach. Ihre Haare standen etwas wirr vom Kopf ab, und sie wirkte auch sonst ein bisschen umnachtet. Aber im Gegensatz zu Farrell, wollte sie den Tag nicht untätig an sich vorbeistreichen lassen, auch wenn ihre Schüler sie für verrückt halten könnten. Sie wollte der Sache auf den Grund gehen, so einfach gab sie nicht auf.

Doch so ganz waren ihre Schüler nicht dazu zu motivieren mitzumachen, immerhin standen auch sie noch unter den Nebenwirkungen des Nebels und würden lieber im Bett bleiben. Dennoch schoss eine Hand nach oben. Sofort deutete die Kräuterhexe auf die Schülerin, die schuldbewusst auf ihrer Lippe herumkaute. Eigentlich war sich Abby gar nicht so sicher, ob sie es wirklich erzählen sollte, aber was blieb ihnen schon anderes über? Einer der drei verschwundenen Lehrer war schließlich nicht wirklich verschwunden gewesen, zumindest zu Beginn. „Wissen Sie … eigentlich ist Dutton zuerst nur weggewesen, weil wir Schüler den entführt hatten, um ihn zu fragen, was er mit Professor Dumbledore gemacht hat. Aber nachdem wir ihn etwas schmoren haben lassen, und ihn zur Rede stellen wollten, war er weg …“

Natürlich waren ihre Mitschüler nicht sonderlich erfreut darüber, dass Seymor sie alle so hinterging und verriet. Nur Olivia und Leandra standen hinter ihr. Letztere wollte immerhin ihre Mutter wiederhaben, also mussten sie bestmöglichst an diesem Fall arbeiten und alles genau durchdenken. Da durfte es fast keine Geheimnisse mehr geben.

Natürlich war die Professorin nicht sonderlich angetan davon, dass die Schüler allesamt schon wieder solchen Unfug gemacht hatten. Allerdings sparte sie sich einen Kommentar dazu. „Dann solltet ihr mir zeigen, wo er ihn eingesperrt hattet, und wo er verschwunden ist. Vielleicht finden wir einen Anhaltspunkt!“

Obwohl niemand wirklich scharf drauf war, einer Lehrkraft ihren geheimen Partykerker zu verraten, entschied eine Abstimmung unter den anwesenden Schülern, dass es wohl notwendig war, MacNamara zu der Stelle zu führen. Außerdem musste sie schwören, niemanden den Ort zu verraten. Trotzdem verbanden sie ihr die Augen, während die Schüler sie in de Kerker führten, damit sie sich nicht so einfach orientieren konnte. Sicher war sicher

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Völlig unwissend, ob es Nacht oder Tag war, und wie viel Zeit bereits verstrichen sein könnte, tasteten sich Victoria und John durch ihr Gefängnis. Natürlich weit von einander entfernt, da Smith keine Lust hatte, sich erneut eine einzufangen, nur weil er im Dunkeln herumtapste und dabei unbeabsichtigt seine Kollegin berührte. Auch wenn sie beiden kaum etwas erkennen konnte, war ihre Hand doch immer sehr zielsicher, wenn es um sein Gesicht ging. Zumindest hatte sie die letzten beide Male perfekt getroffen. Die zweite Ohrfeige hatte er dafür bekommen, dass er im Dunkeln nach etwas greifen wollte, und dabei leicht ihren Hintern berührt hatte. Dabei hatte er es nicht darauf angesetzt, sie irgendwie anzufassen. Vor allem da sie wohl sehr große Berührungsängste hatte, oder einfach nur die Chancen wahrnahm, ihm eine zu donnern.

Nachdem sie sich geeinigt hatten, jeder in eine andere Richtung zu tasten, waren sie aufgebrochen und versuchten sich immer zu erklären, was sie gerade ertasteten. Scheinbar waren sie in einer Art Höhle, einem Kerker oder einem sehr feuchten Verlies eingesperrt. Es war sehr muffig, die Steinwände waren feucht und mit Moos bewachsen und an einer Stelle gab es Gitterstäbe. Sie waren also eindeutig hier gefangen.

Vorsichtig glitten Smiths Hände die Wand entlang, versuchten zu erkennen, wie groß der Raum tatsächlich war, in dem man sie festhielt. Konzentriert ging er dieser Aufgabe nach, vergaß dabei ganz, sich irgendwie bemerkbar zu machen. Doch auch Lestrange war still geworden seit einer Zeit, da auch sie nichts anderes ertastet hatte. Daher war es kaum verwunderlich, dass John plötzlich erschrocken aufschrie, als etwas Eiskaltes seine Hand berührte. „Was kreischen Sie denn so?“, fragte Victoria unmittelbar neben ihm stehend.

„Erschrecken Sie mich doch nicht so“, keuchte der Zauberer und griff sich ans Herz. Wäre ja noch schöner, wenn er tot umfiele und man ihm nicht mal irgendwie helfen könnte, weil man sich gegenseitig nicht sehen konnte. Aus diesem Grund hatten sie auch noch nicht bemerkt, dass sie nicht alleine hier waren.

Eigentlich wollte Victoria etwas Spitzzüngiges erwidern, doch sie seufzte nur. „Tut mir leid.“ Da sie beide hier eingesperrt und in derselben Situation steckten, war es nicht von Vorteil, sich gegenseitig anzukeifen. Sie mussten wohl oder übel zusammenarbeiten, um rauszukommen. „Konnten Sie bei den Gitterstäben irgendeine Schwachstelle ertasten?“, fragte sie daher, und sparte sich den Kommentar, dass sie damit nicht ihn selbst meinte.

Leider musste Smith verneinen. Also waren sie nicht klüger als zuvor. Aber sie hatten ja auch nur die Bereiche abgetastet, die ihn Augenhöhe waren. Daher begannen sie eine neue Runde zu drehen. Diesmal übernahm jemand die oberen Bereiche und der anderen die unteren. Vielleicht gab es ja doch irgendwo einen Weg hier raus. Oder zumindest die Möglichkeit, etwas besser die Umgebung ausmachen zu können.

 

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Auch Katlyns Erkundungstour blieb zunächst ohne Erfolg. Das Verließ, in dem Dutton auf dem Stuhl gefesselt sitzen sollte, war – wie die Schüler bereits berichtet hatten – leerstehend. Nur der Stuhl stand noch da, ansonsten war alles leer. So genau sie auch überall guckten, fanden sie nichts, was die Schüler auch schon bald langweilig fanden und nach der Reihe abzogen. Am Ende war nur mehr Leeroy allein mit der Kräuterhexe im Verlies. Er war beauftragt worden, der Professorin, sobald sie aufbrechen wollte, die Augen zu verbinden und aus dem Kerker zu führen. An jedem anderen Tag hätte er sich dafür gewiss nicht freiwillig gemeldet, doch heute hatte er es getan. Schließlich war es die Nacht vor Vollmond und sein Ansprechpartner für das haarigste aller Probleme war spurlos verschwunden. Aus diesem Grund wollte er mit MacNamara alleine sprechen.

Als Lehrerin war sie immerhin über seinen besonderen Umstand in Kenntnis gesetzt worden. Zumindest hoffte er das, ansonsten würde das hier noch ein sehr seltsames Gespräch werden. Irgendwie fühlte es sich ja jetzt schon eigenartig an. „Professor, ich weiß nicht, ob Sie über eine … Sache … bei mir Bescheid wissen, aber ich bräuchte …“

„… ihre Hilfe!“, beendete Katlyn den Satz des Slytehrins, „genau die brauche ich jetzt. Wären Sie so nett und benutzen Sie ihren Geruchssinn. Ihre Sinne müssten ja nun geschärft sein, vielleicht nützt uns das was!“ Sie hatte ihn an den Schultern gepackt und leicht geschüttelt, nun trat sie allerdings zur Seite, da ihr bewusst war, dass sie nach allen möglichen Kräutern roch und somit seine Sinne trübte.

Der Junge war jedoch im ersten Moment etwas verwirrt, und verstand nicht ganz, was er nun tun sollte. Also rümpfte er immer mal die Nase, schnüffelte herum und verzog dann seine Miene. Ein bisschen war er schon überrascht, dass es funktionierte „Hier stinkt es … nach nassem Fell. Aber ich kann die Tierart nicht einschätzen, aber es ist eklig, richtig übel“, erklärte er und machte einen Würglaut. Erstaunlich, dass er es jetzt wahrnehmen konnte und zuvor nicht, aber da waren zu viele Menschen anwesend gewesen.

„Tierfell“, wiederholte die Professorin nachdenklich, „wir haben also dunkle Hufabdrücke und den Geruch von nassem Tierfell. Interessant.“ Das war es tatsächlich, allerdings konnte keiner der beiden etwas damit anfangen. „Nun denn … aber was wollten Sie vorhin?“, fragte sie noch einmal nach, nachdem sie aus den Gedanken wieder aufgetaucht war.

„Ich wollte Sie bitten, mich in mein Vollmondzimmer zu sperren morgen. Normalerweise macht Smith das, aber der ist ja weg!“, erklärte er.

Katlyn nickte. „Ja natürlich. Es ist immer witzig, Schüler einzusperren. Normalerweise mache ich das mit meinem Sohn.“ Sie wandte sich ab und ging den Gang entlang, weg vom Verlies.

„Was?“, fragte Leeroy überrascht und starrte ihr perplex nach, „moment mal! Ich muss ihnen die Augen verbinden!“ Doch dafür war es schon zu spät. „Mist.“

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